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Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 4

Orchestre des Champs-Élysées, Philippe Herreweghe

harmonia mundi HMC 901921
(64 Min., 10/2005) 1 CD

Anton Bruckner sei für ihn der größte aller Komponisten, bekannte Philippe Herreweghe schon, als er noch hauptsächlich für seine Bachinterpretationen bekannt war. Vielleicht gerade deshalb hat sich der flämische Dirigent mit den Sinfonien seines Idols lange Zeit gelassen: Erst im vergangenen Jahr erschien die Siebte, jetzt kommt mit der Vierten der zweite Baustein eines anvisierten Zyklus hinzu. Im Vergleich zur Siebten, der Herrweghe eine Schubert'sche Leichtfüßigkeit abgewann, sind die Ergebnisse bei der "Romantischen" auf den ersten Blick erstaunlich unspektakulär: Die Tempi bleiben im Rahmen des Üblichen und auch die Fassung ist die übliche, von Bruckner 1878/80 überarbeitete. In ihrer großräumigen Disposition und ihrem ruhigen Grundatem erinnert die Aufnahme eher an die entpathetisierten Bruckner-Interpretationen eines Günther Wand oder Kent Nagano. Herreweghe kann da freilich nicht nur mithalten, sondern hat auch noch den Zusatztrumpf seines fabelhaften Orchestre des Champs-Elysées in der Hand: Das transparente Klangbild, für das herkömmliche Orchester hart kämpfen müssen, ergibt sich bei den historischen Instrumenten viel selbstverständlicher, ebenso der naturhafte Tonfall vor allem der Holzbläser. Ein lyrischer, verträumter Grundton durchzieht die Aufnahme. Die Streicher modellieren ihre Phrasen mit weicher Kantabilität und selbst das Blech schmettert nicht martialisch, sondern setzt Lichtpunkte auf den sinfonischen Bau. Eine "Romantische" aus dem Geiste Eichendorffs.

Jörg Königsdorf, 03.05.2006



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