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Diverse

Fritz Wunderlich - Ein musikalisches Porträt

Fritz Wunderlich, WDR Sinfonieorchester Köln, Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, Franz Marszalek, Alfons Rischner u.a.

Laserlight Classics/Delta 08259
(1956 - 1965) 2 CDs

Ob es sich bei diesen zwei CDs um ein „musikalisches Porträt“ von Fritz Wunderlich handelt, wie der Titel verspricht, ist mehr als fraglich: Außer einigen wenigen Tracks wurden nämlich Aufnahmen von Arien und Szenen aus Operetten oder leichtgewichtigeren Opern zusammengestellt, womit allzu viele Bereiche des musikalischen Nachlasses von Fritz Wunderlich vollkommen unberührt bleiben: Weder als Lied- noch als Oratoriensänger ist er hier repräsentiert, und seine großen Opernerfolge werden nur durch die Aufnahme der Bildnis-Arie aus Mozarts "Zauberflöte" berührt. Sie entstand 1959 unter Leitung von Carl Schuricht und ist ein interessantes Gegenstück zu der Version in der viel späteren Böhm-Gesamtaufnahme.
Gemeinsam ist all diesen Einspielungen, dass sie aus verschiedenen Rundfunkarchiven stammen und damit Zeugnis eines wichtigen Teils von Wunderlichs Aufnahmetätigkeit bilden: Mehr und mehr unter Termindruck, fand er dennoch immer Zeit für solche Produktionen. Mit dem Südwestfunk verband ihn die Freundschaft zu dem Dirigenten Emmerich Smola, der zu seinen frühen Förderern gehörte. Unter seiner Leitung wurden noch 1965 „Freunde, das Leben ist lebenswert“ und „Es steht ein Soldat am Wolgastrand“ eingespielt.
Ausschnitte aus weiteren Operetten von Lehár, Zeller, Strauß, Kálmán und Fall nahm Wunderlich zwischen 1959 und 1962 beim WDR unter Leitung von Franz Marzalek auf, und beim Radio-Sinfonieorchester Stuttgart standen Lortzing, Kienzl, Cornelius und manches andere auf dem Programm.
Musikalisches Porträt hin oder her: Das Faszinierende sind nicht immer die mehr oder minder vergänglichen Stücke auf diesen CDs, sondern die Art und Weise, wie Wunderlich sie durch seine Stimme und durch seine immer zutiefst gewissenhafte, ehrlich gemeinte Interpretation adelt. Gemeinsam mit den weitgehend sehr guten Orchestern gelingen Wunderlich Interpretationen, die beweisen, dass mit der Hinwendung zu leichterer Musik keineswegs ein Verlust an Qualität verbunden sein muss. Offen zu sein auch für Unterhaltendes bedeutet eben nicht, jeden Klamauk mitzumachen und jede leicht verdiente Mark mitzunehmen: eine heute in Vergessenheit geratene Maxime?

Michael Wersin, 19.04.2001



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