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Diverse

Peter Anders – Operatic Portrait

Peter Anders, verschiedene Dirigenten und Orchester

Teldec Legacy/Warner Classics 8573-83023-2
(63 Min., 1934 - 1939) 1 CD

Mit dem Stichwort "tragischer früher Unfalltod eines Ausnahmetenors" wird vor allem der Name Fritz Wunderlich in Verbindung gebracht. In Vergessenheit geraten ist hingegen ein ähnlicher Fall, der sich ziemlich genau zwölf Jahre früher ereignete: Im September 1954 verunglückte der sechsundvierzigjährige Tenor Peter Anders tödlich mit dem Auto.
Die Parallele zu Wunderlich erschöpft sich nicht in dieser biografischen Übereinstimmung, sondern erstreckt sich auch auf eine erstaunliche Übereinstimmung des Repertoires und der Interpretation: Mit seinen auf dieser CD zusammengestellten Arien-Aufnahmen aus Opern von Mozart ("Entführung", "Don Giovanni", "Zauberflöte"), Tschaikowsky ("Eugen Onegin!"), Lortzing ("Undine") oder Wagner ("Holländer") schuf Anders, ähnlich wie eine Dekade später Wunderlich, eine zuvor selten vernommene Art der natürlichen, weitgehend pathosfreien, gesangstechnisch und sprachlich in neuartig ungezwungener Weise hervorgebrachten Darbietung. Vergleicht man etwa Anders' Version der Freischütz-Arie "Durch die Wälder, durch die Auen" mit der Version von Hans Hopf, so hört man im ersten Fall wirklich einen jungen, von dunklen Ahnungen getriebenen Mann statt eines strammen Heldentenors auf Abwegen wie im Fall von Hopf.
Die Stimm-Schönheit und ehrliche Einfühlsamkeit der mit dieser CD vorgelegten historischen Dokumente sind dazu angetan, die Erinnerung an den nicht mehr allzu stark repräsentierten Peter Anders aufzufrischen. Einzige Trübung des Hörgenusses sind die hier und da zu bemerkenden Probleme mit der Vollhöhe, die Anders nicht nur in der exponierten Arie des italienischen Sängers aus dem "Rosenkavalier" etwas in die Enge treiben. In diesem Punkt war ihm, um beim Vergleich zu bleiben, sein "Nachfolger" Fritz Wunderlich deutlich überlegen.

Michael Wersin, 03.05.2001



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