Responsive image
François Couperin, Jacques Duphly, Jean-Philippe Rameau u.a.

Portraits en musique

Olivier Baumont

Virgin/EMI 545 667-2
(56 Min., 9/2003) 1 CD

Maurice-Quentin de la Tour hatte sie alle hinter seiner Staffelei. Voltaire und Madame de Pompadour, die Finanziers, Militärs und berühmtesten Schauspieler seiner Zeit. Mit seinem Pastellpinsel malte er aber mehr als Porträts: Maurice-Quentin de la Tour war ein "Seelendieb", wie ihn die Ausstellungmacher der ersten großen La-Tour-Retrospektive nannten, die 2004 anlässlich seines 300. Geburtstages im Versailler Schloss gezeigt wurde. Hinter dem Puder und unter der Perücke fing La Tour immerhin den Charakter und das Temperament seines Modells mit scharfem Blick und zartem Pinselstrich ein. Doch La Tour wurde auch schon selber mal zum Kunst-Objekt, von Komponisten wie Jacques Duphly und Antoine Forqueray. Ihre musikalischen Porträts von ihm hat jetzt der französische Cembalist Olivier Baumont ausgegraben und mit weiteren "Portraits en musique" u. a. von Balbastre, Rameau, Mondonville und Parant zu fünf imaginären "Livres de Clavecin" gebündelt.
Dass Baumont einer der interessantesten und technisch makellosesten Cembalisten ist, hat er bereits mit ähnlich angelegten Rezitals bewiesen, in denen er Epochen vorrangig anhand von Raritäten auf die Finger schaut. Doch nun scheint er noch einmal aufgeblüht zu sein! Die Volltönigkeit des zweimanualigen Stehlin-Cembalos (1750) genießt Baumont mit spürbarem Engagement. Und selbst die kompliziertesten Verzierungen integriert er in seinen ungemein locker gestikulierenden Vortrag, wie er mal majestätische Haltung annimmt oder einfach rokokoesk und federleicht tänzelt. Schließlich steckt in jedem der 21 Sätze mehr als nur eine Erinnerung an La Tour und seine Zeitgenossen, die mit ihren Stücken so manche Sängerin, Tänzerin und Comtesse unsterblich machten.

Guido Fischer, 01.06.2004



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




Top