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Franz Schubert

Männerchorwerke

Renner Ensemble Regensburg, Bernd Englbrecht

Ars Produktion/Klangwelt
(51 Min.) 1 CD

Immer wieder werden Werke entdeckt und ausgegraben, manches Mal unter beträchtlichem Aufwand und oft allein schon deshalb zu Meisterwerken glorifiziert. Nicht selten findet sich ziemlich Harmloses darunter, das zu Recht dem Vergessen anheimfiel. Doch manchmal stößt man auch auf anderes, das auf Anhieb fasziniert. Dann lauscht man etwas verlegen, ist glücklich und bewegt. Und verlegen, weil man glaubte, die großartigsten Werke des geliebten Komponisten schon zu kennen.
So ist es mir mit Franz Schuberts Männerchorwerken ergangen, die nun in einer Einspielung des Renner-Ensembles Regensburg unter der Leitung von Bernd Englbrecht vorliegen. Es ist bedauerlich, dass solch wunderbar verhaltene (vornehmliche) A-cappella-Kostbarkeiten so wenig Beachtung im gängigen Konzertrepertoire und in der Diskographie finden; doch auch zu Schuberts Zeiten sind sie seinen Zeitgenossen weitgehend unbekannt blieben. Im restaurativen System Metternichs, das allen nationalen, liberalen und revolutionären Bewegungen den Kampf angesagt hatte, gab es keine Männerchöre - aus Angst vor politischer Stimmungsmache. "Haltet mir dieses Gift aus Deutschland fern!" soll Metternich über die deutsche Männerchorbewegung geflucht haben.
Bernd Englbrechts Vokalensemble hätte - in Anbetracht seiner Größe - dem Staatsmann wohl nur ein mildes Lächeln entlockt. Es ist relativ klein besetzt, und doch verfügt es über so reiche Ausdrucksmöglichkeiten, dass einem der Atem stockt. Keine Schwebung des Ausdrucks ist diesem Chor fremd; er meistert das Zarte wie das Glühende, beherrscht die Balance zwischen drängender Bewegung und diskretem Zurückhalten, innerer Erregung und äußerer Bilddeutung bei gleichzeitig guter Wortverständlichkeit. Wunderbar!

Teresa Pieschacón Raphael, 01.05.1996



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