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Franz Schubert

Goethe-Lieder

Matthias Goerne, Andreas Haefliger

Decca 452 917-2
(72 Min.) 1 CD

Manchmal stößt man auf Interpreten, die einen auf Anhieb in ihren Bann ziehen. Dann lauscht man etwas verlegen, ist glücklich und bewegt. Verlegen, weil man meinte, die großartigsten Interpretationen der geliebten Werke schon zu kennen.
So ist es mir mit dem Bariton Matthias Goerne und seinem Klavierpartner Andreas Haefliger ergangen. In ihrer Aufnahme widmen sie sich Goethe-Vertonungen von Franz Schubert. Mit Goethe verband Schubert ein gleiches Naturgefühl, weshalb er ihn stets bevorzugte. Ein Verhältnis, das nicht auf Gegenliebe beruhte, denn Goethe stand auf dem Standpunkt, Dichtung sei an sich schon Musik, weshalb dem mehr hinzufügen? Etwa siebzig Goethe-Gedichte hat Schubert vertont, mehrere davon in verschiedenen Fassungen, zweiundzwanzig davon wählten Goerne und Haefliger aus, unter ihnen die großartigen Gesänge "Erlkönig", "Ganymed", "Gesänge des Harfners", "Prometheus" und das beliebte "Heidenröslein".
Mit dem dreißigjährigen Matthias Goerne aus Weimar tritt ein Sänger in Erscheinung, dessen Gesang wie selbstverständlich aus der Sprache herauswächst, der durch wohlüberlegt eingesetzte Vokal- und Konsonantenfärbung und in klarer, unaffektierter Aussprache einem begnadeten Sprachmelodiker, wie Schubert es war, seine Reverenz erweist. Goerne lotet mit seiner weichen, in allen Lagen vollklingenden Stimme und seinem "durchlebten Singen" (Fischer-Dieskau) Strophe für Strophe jeden Charakter, jede noch so kleine Stimmungsveränderung und somit das ganze seelische Spektrum eines Gedichtes aus. Und schon tut sich vor uns die Welt der Romantik auf: Sehnsucht und Schmerz, Fremdheit und Unverständnis, Aufruhr und Verzagen, Angst und Zerrissenheit; all das, was uns im tiefsten Innern bewegt.
Einen Seelenverwandten hat Goerne in Andreas Haefliger am Klavier. Mit seinem präzisen und konzentrierten Spiel macht er alles hörbar und vorstellbar, was an Stimmung und Gehalt in den Liedern verborgen ist. Die beiden sind glänzend aufeinander eingespielt und stellen mit ihrer Kunst die Dinge so rein hin, dass sie eine kleine lebendige Welt von unermesslicher Wirkung sind.

Teresa Pieschacón Raphael, 01.04.1997



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