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Wolfgang Amadeus Mozart

Klarinettenquintett, Klarinettenquartett, Kegelstatt-Trio

Charles Neidich, L’Archibudelli

Sony CD 53366
(74 Min., 12/1992) 1 CD

Zunehmend elend verbrachte Wolfgang Amadeus Mozart seine letzten Lebensjahre, gequält von Geldsorgen und immer gravierenderen gesundheitlichen Problemen. Der Klarheit, Schönheit und Luzidität seiner Musik hat das keinen Abbruch getan – eine Binsenweisheit, etwas rührselig dazu, aber doch immer wieder faszinierend: Man denke nur an die Zauberflöte, dieses bewusst "einfach" gehaltene und doch auf so bewegende Weise eindringliche, hoffnungsfrohe musikalische Mysterienspiel über ein besseres Mensch-Sein jenseits von "Hass, Verleumdung, schwarzer Galle". "Wir wandeln durch des Tones Macht froh durch des Todes düstre Nacht": Diese Worte Paminas und Taminos beim Gang durch die Elemente könnten auch als Motto über einem geradezu überirdisch vollkommenen Spätwerk wie dem Klarinettenquintett KV 581 stehen, das im Dezember 1789 im Wiener Burgtheater bei einem Konzert der Tonkünstlersocietät uraufgeführt wurde.
Mozart komponierte dieses Stück für seinen Freund Anton Stadler und dessen im Tonumfang nach unten erweiterte Bassettklarinette. Heute wird das Stück häufig auf einer gewöhnlichen A-Klarinette gespielt, wobei die erforderliche Modifikation einiger tiefer Töne weniger problematisch ist als der bedauerliche Verlust der spezifischen Klangfarbe. Charles Neidich und die Streicher-Formation L’Archibudelli spielten das Stück 1992 unter Verwendung historischer Instrumente ein; Neidich verwendet die Kopie eines Instruments von 1796. Einzigartig beherrscht er die Klang- und Ausdrucksmöglichkeiten der Bassettklarinette und entlockt dem wundervollen Klarinettenpart alle nur erdenklichen Nuancen. Im Vergleich zu den oft zuckersüßen Aufnahmen mit modernen Instrumenten kommt das Quintett in der vorliegenden Version auf weitaus unsentimentalere, objektivere Weise zu voller Geltung; es ist, als werde erst so der Blick frei auf den eigentlichen Gehalt dieser Musik jenseits aller interpretatorischen Selbstverliebtheit. Die Einspielung war längere Zeit nicht lieferbar und wird mit Erscheinen dieser Würdigung von Sony wieder verfügbar gemacht.

Michael Wersin, 01.12.1999



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