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Carl Orff

Carmina Burana

Lucia Popp, Jon van Kesteren, Hermann Prey, Chor des BR, Tölzer Knabenchor, Münchner Rundfunkorchester, Kurt Eichhorn

RCA/BMG 74321 24791-2 (CD), RCA/BMG 74321 85285-9 (DVD)
(155 Min., 1973, 1975) 2 CDs, 77 Min., aufgen. 7/1973 (CD), 78 Min., produziert 1975 (DVD)

Carmina burana atque imaginibus magicis" - ”Beuroner Gesänge mit magischen Bildern” - lautet ausführlicher der Titel von Carl Orffs aus eigener Sicht erstem vollgültigen, 1937 uraufgeführten Werk. Die erwünschte visuelle Ebene der lateinischen, mittelhochdeutschen und französischen Carmina, deren von Orff zusammengestellte Textvorlage aus einer im 19. Jahrhundert in Benediktbeuren entdeckten Handschrift von ca. 1300 stammt, entfällt aus nahe liegenden Gründen bei den meisten Aufführungen; 1975 verwirklichten der Bayerische Rundfunk und das ZDF eine Filmversion, bei der Jean-Pierre Ponnelle (mit dem Orff schon mehrfach zusammengearbeitet hatte) die Ausstattung kreierte und Regie führte. Das Ergebnis war eine für heutige Geschmäcker vielleicht allzu bunte und gefällige, aber sehr aussagekräftige, beinahe deiktisch reale Illustration von Wort und Musik in Gestalt eben jener magischen Bilder, die Orff wohl vorschwebten: Mittelalterlich gekleidete Mägdelein und Burschen tummeln sich winters oder sommers im Freien, Hermann Prey liegt in einer Wiese und singt, ein Karren voll mit Skeletten wird ausgekippt und seine Ladung von der Menge fröhlich zerrupft. Dargestellt ist jenes unausweichliche Stirb und Werde, jenes mondenhafte Kommen und Gehen irdischen Glücks, das Carl Orff beim ersten Blick in die alte Handschrift augenblicklich ansprach und inspirierte.
Die Aufnahme, die der Filmversion zu Grunde liegt, war im Juli 1973 in München entstanden: Kurt Eichhorn, ein enger Vertrauter Orffs, konnte über einen exzeptionell gut disponierten Chor des Bayerischen Rundfunks mit vor jugendlicher Intensität bebenden Sopranen und Tenören sowie über ein erstklassig agierendes Münchner Rundfunkorchester u. a. mit brillantem Blech verfügen. Lucia Popp, John van Kesteren und Hermann Prey runden als Solisten das Bild ab; Hermann Prey etwa meistert die stimmlichen Höhenflüge bis zum hohen H ohne hässliches Fisteln und liefert ein ”Estuans interius” ab, das bis heute seinesgleichen sucht.

Michael Wersin, 01.12.1999



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