Carl Nielsen

Klarinettenkonzert, Flötenkonzert, Bläserquintett

Sabine Meyer, Emanuel Pahud, Berliner Philharmoniker, Simon Rattle


EMI
(69 Min., 12/2006) 1 CD

Eigentlich lobenswert, wenn ein Major Label sich für die Bläsermusik Carl Nielsens stark macht. Und wenn dann noch Stars wie Sabine Meyer, Emanuel Pahud und Simon Rattle am Start sind, sollte man eigentlich eine Referenzaufnahme erwarten dürfen. Doch überraschenderweise tun sich alle drei schwer, den spezifischen, zwischen Finesse und Kauzigkeit oszillierenden Nielsentonfall zu finden. Statt eines pointierten Dialogs dominiert sowohl in den Konzerten für Flöte und Klarinette wie im beigegebenen Bläserquintett ein Wille zum glättenden Schönklang. Vor allem Sir Simon scheint die Begleitung der beiden Nielsenkonzerte etwas auf die leichte Schulter genommen zu haben: Im oft etwas dicklich klingende Orchesterpart werden viele Nebenstimmen, die für den geistreichen, spröde verspielten Neoklassizismus Nielsens charakteristisch sind, untergebuttert. Verglichen mit der jüngst erschienenen, quicklebendigen Aufnahme mit Martin Fröst und Osmo Vänska klingen die Philharmoniker im Klarinettenkonzert geradezu täppisch, und auch Frösts agile Expressivität und eher französischer Klang treffen die Sache besser als der schlackenlose Edelton von Sabine Meyer. Das Flötenkonzert gelingt ein wenig besser, auch weil das Stück nicht so viele dunkle Facetten aufweist wie das später komponierte Klarinettenwerk. Im Bläserquintett herrscht ein Klima wie bei einem Five o’clock tea – kultiviert, aber etwas verkrampft. Vielleicht wäre ein Gläschen Aquavit zur Auflockerung nicht verkehrt gewesen.

Jörg Königsdorf, 01.12.1999


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Dieser Mann ist ein Phänomen: Nicht erst seit der Film "Pianomania" Einblicke in die verfeinerte, ja zuweilen heikle Klangästhetik Pierre-Laurent Aimards gab, dessen Vorstellungen der hauseigene Klavierstimmer Stefan Knüpfer mit großer Hingabe zu folgen versuchte, ist der Franzose als Perfektionist bekannt. Und auch für seine Einspielung des "Wohltemperierten Klaviers I" von Johann Sebastian Bach dürfte wieder ordentlich am Instrument gefeilt worden sein. Das aber völlig zu recht, muss man zugeben, wenn man die ersten Töne des berühmten C-Dur-Präludiums hört: So fein und singend der Tonkörper des Flügels, so ist zugleich doch immer auch ein deutlicher, "knackiger" Druckpunkt auszumachen, der die Tongebung des Cembalos mit in den Klavierklang hineinnimmt. Dazu kommt Aimards ruhiger Duktus, der die Aufmerksamkeit des Hörers nicht mit virtuosem Schellenklingeln blendet, sondern - detailreich phrasiert - wie an der Hand durch die sauber gestaffelten Stimmverflechtungen und sanglichen Schönheiten dieses Tonarten-Kaleidoskops führt. Einfach bereichernd, dass Aimard - der sich vor allem als Interpret der Werke Messiaens und Boulez' seinen Namen gemacht hat - nun erstmals Bach aufgenommen hat.