Johann Sebastian Bach

Suiten für Violoncello solo BWV 1007 - 1012

Heinrich Schiff

EMI 7 47471 8
(1984) 2 CDs, DDD



Johann Sebastian Bach

Suiten für Violoncello solo BWV 1007 - 1012

Yo-Yo Ma

Sony 63203
(1994 - 1997) DDD



Johann Sebastian Bach

Suiten für Violoncello solo BWV 1007 - 1012

Pieter Wispelwey

Channel Classics/Helikon CCS 12298
(1998) 2 CDs, DDD



Wie polyphon kann man auf einem einzelnen Streichinstrument werden? In seinen sechs Suiten für Violoncello solo geht Johann Sebastian Bach darin nicht ganz so weit wie in den Sonaten und Partiten für Violine allein - aber weit genug: Auch hier finden wir den geradezu revolutionären Verzicht auf das Fundament eines Generalbasses, finden wir eine raffiniert “angedeutete”, versteckte oder auch offene Mehrstimmigkeit.
Man hat diese sechs Suiten immer mal wieder “Das Alte Testament des Cellospiels” genannt, wahlweise auch “Das Neue ...”, aber das Etikett hängt schief, mit Religion haben sie nichts zu tun. Vielmehr sind das äußerst weltliche, weltzugewandte, zum Teil sogar heitere bis übermütige Stücke; abgesehen vom jeweiligen Präludium eine Reihung von Tänzen der Zeit, Allemande und Courante, Gavotte und Menuett, Gigue und Sarabande. Einzig die meist getragene Sarabande verleitet Bach mitunter - am schönsten in der fünften Suite -, einen Tropfen kostbarer Melancholie aufs Notenblatt zu träufeln.
Die gelungenste mir bekannte Aufnahme des Zyklus stammt von dem Österreicher Heinrich Schiff, der, mit dem Cellisten-Kollegen und Dirigenten Nikolaus Harnoncourt als Inspirationsquelle, voller Grazie und Klangfantasie auf seinem Instrument tanzt - aber da, wo’s sein muß (Präludien!), auch mit rhapsodisch “atmender” Polyphonie glänzt. Glatter, aber nicht minder gekonnt die Aufnahme des amerikanischen Cellisten chinesischer Abstammung Yo-Yo Ma; er ist einer der wenigen, deren Kondition es ihnen erlaubt, das Riesenwerk der gegen Ende immer kniffligeren Sechs an einem einzigen Konzertabend zu stemmen! (Aber bitte nicht die Videos kaufen, nur die CDs ...) Und wer lieber statt der “modernen” Darstellungen (obwohl Schiff auf der Grenze steht) eine “historisch-kritische” Version auf dem Barockcello möchte, der greife zu der bedachten, aber auch beschwingten Zweiteinspielung des Holländers Pieter Wispelwey.

Thomas Rübenacker




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