Johann Sebastian Bach

Die Kunst der Fuge BWV 1080

Glenn Gould

Sony SK 52595
(1962, 1967, 1980, 1981) ADD



Johann Sebastian Bach

Die Kunst der Fuge BWV 1080

Juilliard String Quartet

Sony SK 45937
(1987) 2 CDs, DDD



Bach war fünfundsechzig Jahre alt, als der Tod ihn daran hinderte, sein opus ultimum zu beenden: In der "Kunst der Fuge" sollte die letzte, die sechzehnte, eine Quadrupelfuge über drei neue Themen sowie das Grundthema des Zyklus werden - wahrlich eine Übung für einen Meister. Das auch später in der Musikgeschichte immer wieder auftauchende B-A-C-H-Motiv spielt hierin eine wichtige Rolle. Aber gerade an der Stelle, wo das Hauptthema einsetzen müsste - bricht die Fuge ab. Erschütternd hier: Glenn Gould in seiner kompromisslosen Klavieraufnahme von 1981. Das Juilliard String Quartet spielt zum Ende den Choral "Vor deinen Thron tret’ ich hiermit" und das paßt natürlich auch.
Ein seltsames, ein schwer einzuordnendes Werk. Einerseits Kompendium der Fugenkomposition, einfach oder in der Umkehrung, in Vergrößerung und Verkleinerung, als Spiegelfuge (vowärts so gut wir rückwärts spielbar), dann aufbauend zur Doppel-, Tripel- und eben Quadrupelfuge. Andererseits schreibt Bach keine Besetzung vor und macht auch sonst kaum Angaben; in zwei- bis vierstimmiger Partitur stehen die Noten gleichsam nackt, und jeder darf sie mit seinen eigenen Klangfarben ausmalen.
Glenn Goulds einzige Orgelaufnahme blieb leider inkomplett, er spielt nur den Contrapunctus 1 bis 9 (allerdings wird die CD ergänzt durch vereinzelte Klavieraufnahmen späterer Fugen). Es gibt auch Versionen mit zwei Klavieren oder Cembali, mit Kammerorchester und so fort. Vielleicht am schönsten transparent wird diese hochartifizielle, aber abwechslungsreiche, nie nur gedankenspielerische Musik in einer Fassung für Streichquartett: sehr schwer zu spielen, aber von Könnern eine Offenbarung. Und Könner sind sie, die vier Mitglieder des Juilliard String Quartet - ihre exakter als sonst dem Originaltext folgende Version hat genau die richtige Mischung von Intellekt und Emphase, ist strenges Konstrukt ebenso wie "Ausdruck der Seele".

Thomas Rübenacker




Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top