Johann Sebastian Bach

Englische Suiten BWV 806-811

Glenn Gould

Sony CD 52 606
(1971 - 1976) ADD



Johann Sebastian Bach

Englische Suiten BWV 806-811

Ivo Pogorelich

DG 445 573-2
(1986)



Johann Sebastian Bach

Englische Suiten BWV 806-811

András Schiff

Decca 421 640-2
(1988) DDD



Vielleicht rührt die Bezeichnung von einem englischen Auftraggeber; gleichwohl ist nach wie vor ungeklärt, warum die Suiten "englische" heißen. Ihrer Form nach folgen sie (wie auch die kleineren "französischen" Schwestern und die Partiten) weitgehend dem traditionellen französischen Tanzsuiten-Typus. Zu ihm gehören die ruhig schreitende Allemande, die fließende Courante, die gravitätische Sarabande und einer Gigue als flotter 6/8-Kehraus, wobei Bach ein gewichtiges Präludium voranstellte und meist noch eine Bourrée einfügte. Auch wenn hier keine Perücke mehr ihr Bein hebt: Bachs Zyklen sind sein Beitrag zur Gesellschaftsmusik der Zeit - allerdings auf höchst stilisiertem Niveau, ästhetisch wie technisch-kontrapunktisch.
Glenn Gould konzentriert sich ganz auf letzteres. Er gebärdet sich wie ein aseptisch sezierender Gerichtsmediziner, der in Hast und gleichzeitig äußerster Konzentration motivische Details und polyphon-kontrapunktische Verwicklungen offenlegt. Dass gerade diese scheinbare "Kälte" einen ästhetisch eigenen Reiz entfaltet, ist das Geheimnis von Goulds Außenseitertums.
Ivo Pogorelich hat einen überaus feinen Klang- und Anschlagssinn. Was bei ihm zusätzlich fasziniert, sind die Kontraste: wahrhaft rasante, gestochen klare Ecksätze paaren sich mit weit ausladenden, in Grandezza und Würde sich verströmenden Sarabanden und Allemanden.
András Schiffs leider etwas hallige Einspielung überzeugt mit ausgefeilter Verzierungskunst, großer Lust an rhythmischen Extravaganzen, (über)pointierten Synkopen und wohldosierten Rubati. Im übrigen wird deutlich: mit dem modernen Flügel und seiner klaren Tongebung ist die Synthese von Herz und Verstand weit anschaulicher zu vermitteln als mit dem Cembalo - trotz der interpretationsgeschichtlich bedeutendsamen Einspielungen Gustav Leonhardts und Igor Kipnis'.

Christoph Braun




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