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Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven, Henry Purcell, John Dowland u.a.

Bearbeitungen schottischer Volkslieder; Englische Lieder

Janet Baker, Yehudi Menuhin, George Malcolm, Ross Pople, Robert Spencer u.a.

Testament/Note 1 SBT 1241
(69 Min., 2/1967, 5/1975) 1 CD

Die englische Mezzosopranistin Janet Baker gehörte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den beliebtesten klassischen Sängerinnen. Vor allem als Interpretin deutscher, französischer und englischer Lieder erwarb sie sich schnell einen Namen auf den Konzertpodien der Welt. An Opernproduktionen nahm sie prinzipiell nur in ihrer Heimat teil, um nicht pausenlos unterwegs sein zu müssen. Bakers unverkennbares, intensives Timbre und ihre plastische, durch und durch ehrliche Art der Interpretation lassen ihre Aufnahmen auch heute noch fast immer ein außergewöhnliches Hörerlebnis sein. Schön ist es daher, wenn lang vom Markt verschwundene Schätze wie diese das Dunkel der Archive für eine Neuveröffentlichung verlassen.
Die Aufnahmen stammen aus den Jahren 1967 und 1975. Englische Lieder von Dowland, Campian, Purcell u. a. wurden 1967 eingespielt, begleitet von verschiedenen Instrumenten. Janet Baker war zu dieser Zeit stimmlich in Hochform: Vom kraftvollen Forte bis hin zu weichsten Schattierungen im Piano stand ihr eine große dynamische Palette zur Verfügung, und der Klang ihrer Stimme blieb stets warm und rund.
Das Barock-Repertoire erfährt hier noch keine "historisierende" Behandlung wie später üblich: Das Cembalo klingt ein wenig nach Fabrik, und die metallene Querflöte ist eher ein Fremdkörper. Vollkommen überzeugend sind die Interpretationen allerdings auf der Ebene des Ausdrucks, und dieses Lob gebührt natürlich vor allem Janet Baker.
Als sie 1975 mit Yehudi Menuhin und anderen einige der Arrangements Schottischer Lieder von Haydn und Beethoven aufnahm, war ihre Stimme nicht mehr ganz so frisch wie in der sechziger Jahren. Bsonders in der Höhe mischt sich hier und da eine gewisse Schärfe in den Klang, und was vorher nur intensiv war, wirkt nun bisweilen allzu insistierend.
Der Volksliedcharakter kommt diesen reizenden Melodien mit ihren oft anrührenden Texten stellenweise ein wenig abhanden, wenn der Stimmaufwand zu massiv wird. Baker erreicht hier nicht mehr ganz jene überwältigende Einfachheit, mit der Fritz Wunderlich einst einige dieser Lieder unsterblich machte. Trotzdem sind auch die Aufnahmen von 1975 noch sehr hörenswert, und vor allem - aber hoffentlich nicht nur - Janet-Baker-Fans werden sich darüber freuen, dass sie wieder zu haben sind.

Michael Wersin, 08.08.2002



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