Hector Berlioz, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart

"Europa-Konzert" Symphonie fantastique, Sinfonie Nr. 94, Flötenkonzert Nr. 2

Emmanuel Pahud (Flöte), Berliner Philharmoniker, Mariss Jansons

TDK DV-EUCO1
(104 Min., 5/2001) 1 CD, DVD - Dolby digital, DTS, PCM-Stereo; PAL 16:9

Dieses "Europakonzert 2001" der Berliner Philharmoniker in Istanbuls ältester christlicher Kirche, St. Irene, schrie nicht gerade nach einer DVD. Ein sehr gutes Konzert, kein Zweifel, wenn auch kein außergewöhnliches. Aber die Bildführung (Bob Coles) wusste leider nicht viel mehr zu machen, mit immerhin zehn Kameras, als Malen nach Zahlen: Einerseits freut sich der Betrachter, dass zur Musik kein Istanbul-Werbefilm eingeschnitten ist, andererseits langweilt das stereotype "Aha! Ein Solo! Aha! Jetzt diese Gruppe!", und wenn das alles versagt, dann geht der Regisseur auf Nummer Sicher, indem er den Dirigenten zeigt.
Dass die Berliner Philharmoniker, die vor Jahren noch das große Trara um die Klarinettistin Sabine Meyer machten, inzwischen mehr als zwei Händevoll Frauen beschäftigen, das registriert der Zuschauer die erste halbe Stunde lang mit Vergnügen, dann wird es ein Gemeinplatz. Man sieht sie auch immer seltener. Natürlich steht die Musik im Vordergrund, und da folgt auf einen filigran-elegant-effektsicheren Haydn ("... mit dem Paukenschlag") ein virtuoses, bisweilen aber etwas abgezirkelt-preziöses Konzert von Mozart, mit dem Solisten Emmanuel Pahud, der selber mal am ersten Flötenpult der Philharmoniker saß.
Beim Hauptgang des Menüs, Berlioz' "Symphonie fantastique", registriert der Zuschauer eigentlich nur noch, was außer der Norm ist: Jansons lässt die beiden Harfen wie Solisten vor dem Orchester aufspielen, sogar vor dem Podest (um ihren exponierten Part z. B. im Walzer-Satz herauszustreichen? Oder weil sie oben keinen Platz mehr fanden?), und das "Dies Irae" des Hexensabbats kommt nicht von orchesterüblichen Röhren-, sondern von eigens aufgestellten Kirchenglocken. Klingt besser und macht auch fürs Bild was her, anderthalb Minuten lang.
Die Extras spalten das Gemüt: Das "Porträt von Istanbul", mit Schwerpunkt Kultur und vor allem Musik, ist unprätentiös gelungen und erzählt ohne "Kunstanspruch" in wohlgewählten Bildern eine Menge über die Geschichte der Stadt; die Dokumentation "Hinter den Kulissen" geriet dagegen eher dürftig, ein Orchesterwart trägt eine Harfe rein, eine Gleitkamera wird eingerichtet, das war's auch fast schon. Nein, das alles schrie nicht nach DVD - aber man muss auch nicht schreiend davonrennen, wenn man's sieht.

Thomas Rübenacker, 28.03.2002



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