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Hector Berlioz

Symphonie fantastique, Herminie

Aurélia Legay, Mahler Chamber Orchestra, Les Musiciens du Louvre Grenoble, Marc Minkowski

DG/Universal 474 209-2
(81 Min., 12/2002) 1 CD

Pünktlich zu den diesjährigen Berlioz-Feierlichkeiten anlässlich seines 200. Geburtstages besinnt sich Frankreich wieder seines großen, aber immer noch merkwürdig stiefmütterlich behandelten Sohnes. Und als ob man das diskographische Berlioz-Bild trotz Charles Münch nicht länger den englischen Pionieren Thomas Beecham, Colin Davis und John Eliot Gardiner überlassen will, wurde jetzt Marc Minkowski eingeladen, den Zauberkasten dieses revolutionären Orchestrierers neu zu sortieren. Und das anhand von Berlioz' populärem Roman ohne Worte, seiner "Symphonie fantastique". Dass Minkowski ein kongenialer Durchleuchter und Dramaturg von Partituren ist, dessen Willen zur Transparenz, zur rhythmischen Attacke ansteckend ist, hat er durchweg bei Barock- und Offenbach-Opern bewiesen.
Doch Berlioz ist ihm nun glatt zwischen den Händen zerfallen. Auf Effekte hat Minkowski die fünf Sätze röntgendurchstrahlt; sitzt jeder Kniff, jeder Tumult, jeder Taumel an der derart richtigen Stelle, dass man leicht das Programm aus dem Augenwinkel verlieren kann und die thematische Idée fixe wohl als akademischen Kunstgriff begreifen soll. Virtuos werden die fünf Tableaus hier mit gehörigem Abstand gehängt, um ja nicht in die Nähe der vielfach betulichen Auseinandersetzung zu geraten, die dieses Meisterwerk besonders aushalten musste. Umso mehr können nun die Blechbläser exakt dämonisch schnarren (4. Satz), purzeln die Flöten punktgenau übereinander, sind die Wellenbewegungen der Violinen (2. Satz) mit spitzen Fingern durchkalkuliert. Und die Zielgerade des finalen "Songe d'une nuit du sabbat" wird so aufbrausend genommen wie ein gedopter Offenbach! Glücklicherweise geht es in der 1828 und damit zwei Jahre vor der "Symphonie fantastique" komponierten Rom-Kantate "Herminie" entspannter zu.

Guido Fischer, 12.07.2003



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