Johann Sebastian Bach

Edition Bachakademie Folge 7: Kantaten

Thomas Quasthoff, Helmuth Rilling u.a.

BWV 126 – 139: Hänssler/Naxos 92.040 - Hänssler/Naxos 92.043,
BWV 205, 524: Hänssler/Naxos 92.063

Johann Sebastian Bach

Edition Bachakademie Folge 7: Musikalisches Opfer

Gottfried von der Goltz, Karl Kaiser, Ekkehard Weber, Michael Behringer

Hänssler/Naxos 92.113

Johann Sebastian Bach

Edition Bachakademie Folge 7: „Bach als Lehrer“

Robert Hill

Hänssler/Naxos 92.107

Johann Sebastian Bach

Edition Bachakademie Folge 7: Clavier-Büchlein für Anna Magdalena Bach

Mario Videla

Hänssler/Naxos 92.135

Johann Sebastian Bach

Edition Bachakademie Folge 7: Orgelwerke

Kay Johannsen, Andrea Marcon, Wolfgang Zerer

Hänssler/Naxos 92.088 (Zerer), Hänssler/Naxos 92.090 (Marcon), Hänssler/Naxos 92.086 (Johannsen)

Magnificat

Rillingsche Wechselbäder: Kaum hebt man seine neue h-Moll-Messe in den Interpretenhimmel, da beschert einem der Oberkantor aus Stuttgart in der jüngsten Lieferung seiner „Edition Bachakademie“ eine Enttäuschung. Seine Gächinger Kantoristen bleiben bei der fünf Jahre alten Produktion des D-Dur-Magnificat seltsam konturenschwach, sodass vom mitreißend virtuos-dramatischen Gestus dieser so eminent plastisch angelegten Lobpreisung Gottes wenig zu spüren ist. Was die Folge 73 dennoch davor bewahrt, ein glatter Minusposten zu sein, sind Rillings bewährte Solisten und die vier nahezu unbekannten Zugaben. Vor allem die von Bach im Parodieverfahren hergestellte Version von Pergolesis Stabat Mater mit dem Titel „Tilge, Höchster, meine Sünden“ BWV 1083 ist ein Repertoirefund. Auch wenn das Original – Bach verzeihe mir – unerreicht bleibt (zumal im herben Moll-Schluss, den Bach ins Dur aufhellt), so bleibt Christiane Oelzes und Birgit Remmerts Vergegenwärtigung der Solopartien gleichwohl mustergültig.

Kantaten

Das gilt – weiteres Wechselbad – neben dem geistlichen (Folgen 38–43, BWV 119–139) auch für Rillings weltlichen Kantatenzyklus, der nun mit der Aeolus-Kantate BWV 205 weitergeführt wird. So zupackend wie bei Rilling wird man die Machtmittel des Windgottes sonst allenfalls von René Jacobs und seinen Berliner Truppen nachgezeichnet finden. Und wie sarkastisch lachend Aeolus drohen kann, das demonstriert Thomas Quasthoff kongenial. Zur Textvorlage, den „Ernst-Schertzhafften und Satyrischen Gedichten“ Picanders, passt das zehnminütige Hochzeits-Quodlibet BWV 524, das Bach als witzigen, ja anzüglichen Prä-Amadeo offenbart, der seine Freunde und Verwandten karikiert.

Musikalisches Opfer

Wenn ich ehrlich bin – manchmal bin ich es durchaus –, dann empfand ich bislang Bachs „Musikalisches Opfer“ bei aller Bewunderung für die strenge Stimmführungsarchitektur immer auch als Opfergang des Hörers. Beim ewig wiederkehrenden, chromatisch absteigenden „Passus duriusculus“ schlichen sich mir regelmäßig Depressionen ins Hörgemüt. Gottfried von der Golz, Karl Kaiser, Ekkehard Weber und Michael Behringer – allesamt Mitglieder des Freiburger Barockorchesters – erlösen mich jetzt davon: derart klangfarbenfroh, derart affektmalend und lebendig wird das königliche Auftragswerk von aller erhaben-säuerlichen Strenge entlastet.

„Bach als Lehrer“

Ebenfalls frei davon waren die bisherigen Einspielungen jener kurzen Exerzitien, die Bach als Pater familias zeigen, der seinen familiären Anhang gehörig im Tonsatz unterweist. Aus seiner Köthener Zeit existieren zahlreiche kleine Präludien und Fugen sowie die revolutionär anmutende Chromatische Fantasie BWV 903a, die Robert Hill auf seinem Lautenklavier, diesem höchst aparten Klangzwitter von Laute und Cembalo, denkbar kurzweilig präsentiert.

Clavier-Büchlein für Anna Magdalena Bach

Bach hat auch seine (zweite) Frau Anna Magdalena mit solchen Übungen – gesammelt in drei „Clavier-Büchlein“ – bedacht. Dass das jetzt von Mario Videla eingespielte mittlere von 1722 ein wenig enttäuscht, liegt weniger am unprätentiösen Spiel des Argentiniers, vielmehr verbergen sich hinter dem Titel fünf der sechs später so genannten französischen Suiten. Leider werden sie entgegen der Ankündigung nicht im Wechsel von Cembalo und Clavichord, sondern nur auf dem Cembalo vorgetragen; dem Vergleich mit der betörenden Klavier-Einspielung von Edward Aldwell (Folge 114) halten sie jedenfalls nicht stand.

Orgelwerke

Von klanglicher Registerpracht zeugen dagegen die von Wolfgang Zerer und Andrea Marcon vorgestellten „Einflüsse von Böhm und Buxtehude“ und „Neuen Ideen in Weimar“, die Bach als Lüneburger und Hamburger Lehrbuben sowie als zweiunddreißigjährigen Bilderstürmer auf der Orgel in Weimar zeigen. Kay Johannsen schließlich hat vierunddreißig Orgelchoräle der so genannten Neumeister-Sammlung eingespielt. Schon die ungewöhnlich hohen BWV-Nummern 1090 aufwärts zeigen es: die 1985 von Christoph Wolff entdeckte Sammlung von Choralvorspielen, die neben achtunddreißig, vermutlich vor 1710 geschaffenen Werken Bachs solche von seinen Söhnen und Zeitgenossen enthält, lässt jedes Sammlerherz höher schlagen.

Christoph Braun, 01.01.2000




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