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Ottorino Respighi

Römische Brunnen (Fontane di Roma), Die Pinien von Rom (Pini di Roma), Römische Feste (Feste Romane)

Osloer Philharmoniker, Mariss Jansons

EMI 5 55600 2
(1989, 1995) DDD

Wer in Italien als Komponist etwas werden will, der muss Opern schreiben. Dieser Satz galt, als Ottorino Respighi lebte, der ein Zeitgenosse Puccinis war - und den Durchbruch sensationellerweise mit dem Orchesterwerk "Römische Brunnen" (Fontane di Roma) schaffte. Mit diesem Stück und den später entstandenen Schwesterwerken hat Respighi Rom ein musikalisches Denkmal gesetzt, in dem sich viele Einflüsse treffen.
Die hochentwickelte Orchestertechnik des von Respighi hoch verehrten Richard Strauss geht eine Verbindung ein mit dem französischen Impressionismus, und so mischt sich illustrative musikalische "Nacherzählung" mit Atmosphärischem: Die Pinien spenden ihren Schatten spielenden Kindern, sie behüten die aus frühchristlicher Zeit stammenden Katakomben, in ihren Zweigen singt bei Mondschein die Nachtigall auf dem Janiculum (einem der sieben römischen Hügel), und sie sind Zeugen eines antiken Schauspiels auf der Via Appia: Hier marschiert ein ganzes Heer auf Rom zu - das schwache Aufblitzen der Rüstungen in der Ferne ist der Beginn einer monumentalen Steigerung.
Wie die Pinien sind die Brunnen ein römisches Wahrzeichen: Najaden und Tritonen tanzen in den blitzenden Wasserstrahlen, im musikalischen Bild des Trevi-Brunnens erwacht sogar Neptun zum Leben, und an der Villa Medici schließlich gehört das Plätschern des Wassers zur Abendstimmung. Wieder in die Antike führen die "Römischen Feste": Im Circus Maximus eröffnen die Trompeten die Hinrichtung der frühen Christen, die Raubtieren zum Fraß vorgeworfen werden, Kirchenglocken und ausgelassene Tanzrhythmen beschwören den Trubel des feiernden Volkes herauf.
Respighis Rom-Stücke sind viel mehr als klingende Postkarten - auch wenn der Komponist zu aberwitzigen Techniken griff, um den klingenden Realismus so echt wie möglich zu gestalten. So ist der Gesang der Nachtigall, der sich in die feinen Klanggespinste der "Pinien" einschleicht, echt: Sie muss laut Partiturangabe mit einer genau bezeichneten ornithologischen Grammophonplatte eingespielt werden - das Ergebnis ist das wohl älteste Playback der Musikgeschichte.
Trotzdem sind für die Interpretation dieser Werke keine "Naturnachahmer" gefragt, auch keine Breitwandsinfoniker, die die drei Partituren als frühe Filmmusik begreifen. Man braucht echte Musiker mit hoher Orchesterkultur - Anforderungen, die die Philharmoniker aus Oslo unter Mariss Jansons fantastisch erfüllen. Warum ausgerechnet Norweger die italienischen Partituren so genau, so transparent und so packend und gleichzeitig ohne Effekthascherei zu musizieren verstehen, ist kaum zu beantworten. Vielleicht darf man gerade kein Römer sein, um über all den bekannten Plätzen den Blick für die Noten zu behalten. Und vielleicht darf man auch kein Amerikaner sein, um nicht in Hollywood-Klischees zu verfallen ...

Oliver Buslau, 01.12.1999



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