Alban Berg

Violinkonzert

Itzhak Perlman, Boston Symphony Orchestra, Seiji Ozawa

Deutsche Grammophon 447 445
(1978) ADD



Alban Berg

Violinkonzert

Yehudi Menuhin, BBC Symphony Orchestra, Pierre Boulez

EMI 7 63989
(1968) ADD



Alban Berg

Violinkonzert

Kyung Wha Chung, Chicago Symphony Orchestra, Georg Solti

Decca 452 696
(1983) DDD



Nicht nur Mozart, auch Alban Berg war kurz vor seinem Tod mit einem Requiem beschäftigt, das schließlich zu seinem eigenen werden sollte. Damit aber erschöpfen sich die Parallelen auch schon, denn Mozart hinterließ sein Requiem als Fragment, Berg konnte seines noch vollenden. Außerdem ist das von Mozart eine “echte” Totenmesse für Sänger, Chor und Orchester, das Requiem von Alban Berg aber ein Violinkonzert - “dem Andenken eines Engels” gewidmet. Dieser Engel hieß Manon Gropius, war die Tochter von Gustav Mahlers Witwe Alma mit dem Bauhaus-Architekten Walter Gropius und ist achtzehnjährig an Kinderlähmung gestorben.
Berg war dem Mädchen freundschaftlich zugetan. Liebevoll porträtiert er im ersten Abschnitt seines Violinkonzerts zunächst ihr sanftmütiges Wesen. Mit der Katastrophe hebt dann der zweite Abschnitt an, der in ein Adagio mündet, in das der Bach-Choral “Es ist genug” eingewoben ist. Über Bergs Violinkonzert liegt Abschiedsstimmung. Aber nicht nur eines Menschen, einer ganzen Epoche wird gedacht. Die Zwölftontechnik wird zwar mit äußerster Konsequenz angewandt, doch baut sich die zugrundeliegende Reihe aus Dreiklangs-Schritten auf, so als wollte Berg noch einmal die Kraft der Tonalität beschwören, die schon längst geschwunden war.
Sicher waren es diese tonalen Reminiszenzen, weshalb sich Bergs Violinkonzert von allen Werken der Wiener Schule am raschesten durchsetzen konnte. Kaum ein Geiger von Rang kann daran vorbei. Selbst Itzhak Perlman, den man sonst eher als brillanten Virtuosen klassischer und romantischer Stücke kennt, hat es auf Platte eingespielt. Und für mich offenbart erstaunlicherweise gerade er am eindrucksvollsten die Schönheiten dieser Musik, weil er, über alle technischen Schwierigkeiten erhaben, sich ganz der Gestaltung widmen kann. Dazu kommt Seiji Ozawa, der ihm mit dem Bostoner Sinfonieorchester einen geschmeidigen, fein gewebten Klangteppich unterlegt.
Der noblen, ausdrucksstarken Eleganz Perlmans steht die warme Humanität Yehudi Menuhins gegenüber, der in Pierre Boulez einen Partner am Pult hat, der mit bewundernswerter Klarheit die Struktur der Musik zum Leuchten bringt. Von den Digitalaufnahmen überzeugt mich Georg Soltis Einspielung mit der Koreanerin Kyung Wha Chung am stärksten. Dem sensiblen Ton der Solistin steht der kraftvolle Klang des Orchesters aus Chikago gegenüber, was immer wieder für dramatische Momente sorgt.

Peter Blaha




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