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Hector Berlioz

Roméo et Juliette

Hanna Schwarz, Philip Langridge, Peter Meven, Symphonieorchester des BR, Chor des BR, Colin Davis

Arthaus/Naxos 102 017
(102 Min., 1985) 1 CD, DVD

Hector Berlioz war nicht nur ein Meister der orchestralen Feinmechanik. Wie kein Zweiter sprengte er Gattungen, um aus ihnen regelrechte Zwitterwesen zu machen. "La damnation de Faust" bewegt sich zwischen Oper und Oratorium und "Harold en Italie" zwischen Sinfonie und Bratschenkonzert. "Roméo et Juliette" kommt als "Dramatische Sinfonie" daher, die von der Besetzung (Solisten und Chor) zwischen Beethovens Neunter und Mahler steht. Die grellen Ausbrüche mit dem schweren Bläserbesatz, dann wieder die lyrische Versenkung im "Liebes"-Adagio oder das elfenhaft umherspukende "Scherzo" - auch in "Roméo et Juliette" hat Berlioz wieder mit seiner Klangfarbenpalette geprotzt. Aber nicht, wie es viele Einspielungen weiß machen wollen, in diffuser "Action Painting"-Manier. Berlioz hat seine Linien und Akzente so sorgfältig und kalkuliert gesetzt, dass man um die nötige Artikulationsprägnanz gar nicht herumkommt. Und wenn einer weiß, wie es geht, dann ist es Colin Davis, dieser - neben Charles Münch - Doyen der Berlioz-Renaissance.
1985 dirigierte Davis das von ihm damals natürlich längst auf Schallplatte eingespielte Werk im Münchner Gasteig. Und die Musiker des Bayerischen Rundfunks folgten ihm bis in die einzelnen Instrumentengruppen hinein, beherzt in der Ausbalancierung von präziser Motorik und tumultöser Fantastik. Agil theatralisches Temperament, aufschäumender Glamour und dynamische Feinstabstufungen selbst in den Triangelschlägen sorgten für eine Plastizität, bei der alles sitzt, ohne eben ins Pedantische umzuschlagen. Dass Davis entsprechende Fachkräfte mit dem nötigen Klangsprachenbewusstsein für die drei Solopartien ausgewählt hat, um dieses Niveau zu erreichen, muss daher eigentlich kaum gesondert erwähnt werden.

Guido Fischer, 19.05.2006



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