Giuseppe Verdi

Rigoletto

Maria Callas, Tito Gobbi, Giuseppe di Stefano u.a., Orchester des Teatro alla Scala, Chor des Teatro alla Scala, Tullio Serafin

EMI 5 56327 2
(1955) 2 CDs, Uraufführung: 1851 in Venedig; ADD; mono



Giuseppe Verdi

Rigoletto

Lily Pons, Lawrence Tibbett, Frederick Jagel, Jan Kiepura u.a., Metropolitan Opera Orchestra, Metropolitan Opera Chorus, Ettore Panizza

Naxos historical 8.110020-1
(1935) 2 CDs, Uraufführung: 1851 in Venedig; ADD, Live-Aufnahme, mono



Giuseppe Verdi

Rigoletto

Ileana Cotrubas, Piero Cappuccilli u.a., Wiener Staatsopernchor, Wiener Philharmoniker, Carlo Maria Giulini

Deutsche Grammophon 415 288-2
(1979) 2 CDs, Uraufführung: 1851 in Venedig; ADD



Fast schon geflügelt ist Jürgen Kestings Wort: "Hätte Verdi Callas gekannt, vielleicht hätte er den ursprünglichen Titel 'La Maledizione' [Der Fluch] nicht in 'Rigoletto' verwandelt, sondern in 'Gilda'". Auch Skeptiker, die Maria Callas für überschätzt halten, müssen eingestehen, dass die Art, wie sie sich Rigolettos Tochter Gilda annimmt, von einzigartiger Suggestion ist. Allenfalls Lily Pons (im aufnahmetechnisch mangelhaften Mitschnitt von 1935) zeigt eine ähnlich "magische" Präsenz und psychologische Glaubwürdigkeit.
Verdi hätte in beiden Einspielungen sein Bühnen-Ideal verwirklicht sehen können, das er erstmals im "Rigoletto" vor Augen hatte: wahrhaftig sollten die Protagonisten sein, das Drama ihrer Gefühle echt, glaubwürdig - ohne heroisch-stilisiertes Pathos. (Nicht zufällig wählte er sich Victor Hugos Drama "Der König amüsiert sich" zur literarischen Vorlage).
Warum Gilda wider besseres Wissen an ihrer (törichten) Liebe festhalten und in den Tod gehen muss, das macht die Callas auf betörende Weise glaubhaft. Denn so fiebrig-zerbrechlich vermittelt nur sie ihre Gefühle, dass der tragische Ausweg als der einzig folgerichtige scheint. Eigentlich müssten alle weiteren Protagonisten neben ihr verblassen. Dass dies dennoch nicht der Fall ist, liegt an ihrem ebenbürtigen Vater-Partner: Der eminent voluminöse, kräftige, ebenso höhengewaltige wie zu zartesten Piano-Registern fähige Bariton Tito Gobbis verkörpert den chamäleonartig vielschichtigen Titelhelden in Reinkultur - diesen bucklig-hässlichen Hofnarren, der als Höfling so mitleidlos, gefühlskalt ist wie "privat" ein liebevoll-ängstlicher, schmerz- und schicksalsgebeugter Vater. Keiner, auch nicht der "an sich" bereits so bühnenpräsent singende Fischer-Dieskau (in Rafael Kubeliks Scala-Aufnahme), kann die Tragik seines im wahrsten Sinne verfluchten Handelns derart wirkungsvoll vermitteln wie Gobbi.
Das gilt mit wenigen Abstrichen auch für di Stefanos herzöglich-zynischen, skrupellosen Herzensbrecher und seine betörend verführerischen Höhen-Diminuendi (zu den Abstrichen zählen die Klimmzüge in "La donna e mobile"). Nicht zuletzt sei auf Tullio Serafins äußerst behutsames, detailgenaues Dirigat verwiesen.
Dem steht Carlo Maria Giulinis dramatisch ausgefeilter Wiener "Rigoletto" von 1979 nicht nach. Ileana Cotrubas vermag wohl eine schlanke, fragil-unschuldige Gilda darzustellen; ihre Wandlung aber zur bedingungslos-tragisch Liebenden überzeugt nicht recht, zumal sie die (oktavierten) Spitzentöne verweigert. Genau diese aber schleudert die Callas wie Blitze in den Äther - dass einem die Haare zu Berge stehen.

Christoph Braun




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