Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 7 E-Dur

WDR Sinfonieorchester Köln, Günter Wand

RCA/BMG GD 60082
(1980) ADD



Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 7 E-Dur

NDR Sinfonieorchester, Günter Wand

RCA/BMG 09026 61398 2
(1992) DDD



Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 7 E-Dur

Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan

DG 429 648-2
(1977) 9 CDs, ADD



Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 7 E-Dur

SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Hans Rosbaud

Vox/Musikwelt CDX 2 5518
(1957) 2 CDs, ADD



Es muss eine große Genugtuung gewesen sein: Der vom Wiener Publikum, in Sonderheit vom Oberkritikus und Brahms-Verehrer Eduard Hanslick als begabter Trottel verlachte sechzigjährige Bruckner genoss nach der Leipziger Ur- und Münchener Erstaufführung seiner siebten Sinfonie den endlosen Beifall. Bis heute gilt die E-Dur-Sinfonie der überwiegend hellen Tonart(en) wegen als Bruckners glänzendstes Werk und seines grandiosen, unter dem Eindruck von Wagners Tod geschriebenen cis-Moll-Adagios wegen als sein melodischstes und elegischstes.
Nicht nur hier, aber hier besonders, sind vorwiegend langsame Zeitmaße das zentrale Ausdrucksmittel. Wie sehr dies eine Gefahr für Interpreten von Rang darstellt, belegen Georg Soltis (Decca) und Sergiu Celibidaches (EMI) Aufnahmen: Sie demonstrieren wohl orchestrale Klangpracht, arten jedoch zu sinfonisch-behäbigen Weihevorstellungen aus.
Im idealen Sinn wohlproportioniert verfährt dagegen Günter Wand in seiner Kölner und in der (klangtechnisch stark verbesserten) Hamburger Rundfunkeinspielung. Hier ist sozusagen alles im organischen Lot. Wands abgeklärte, klare Sicht auf das sinfonische Großgeschehen vermeidet Extreme und ist doch gegen den Eindruck langweiliger Kompromisse gefeit. Denn sowohl die sonore Klangentfaltung wie auch die Durchhörbarkeit der Einzelstimmen und die rhythmische Spannkraft (in den beiden letzten Sätzen) kommen zur vollen Geltung.
Ernst Bloch sagte, mit Bruckner sei (nach Schubert) wieder Gesang in die Welt gekommen. Vor allem an Herbert von Karajans Siebter bestätigt sich dieses Urteil. Trotz mancher "Schwergewichte" im Scherzo und im (kompositorisch nicht ebenbürtigen) Finale: Karajans Bruckner fesselt, hat "Größe", innere wie äußere. Soviel Schmelz, Intensität, Innenspannung verleiht kein anderer den Kantilenen. Und die sehrend-sehnenden Legatobögen des Adagios könnten gespannter, die Entladung auf dem Höhepunkt befreiender nicht sein. Makellosigkeit an jedem einzelnen Pult und kompakter Tutti-Guss.
Auch wenn das ehedem sogenannte Südwestfunk-Orchester an diese Extra-Qualitäten der Berliner Philharmoniker nicht ganz heranreicht, so muss doch Hans Rosbauds Einspielung von 1957 zu den besten, weil strukturell erhellendsten gezählt werden. Mit straffen Tempi und kammermusikalischer Hellhörigkeit legt er jede melodische Linie frei. So wird jede falsche Sentimentalität vermieden.
Apropos Adagio-Höhepunkt: Wer macht's mit, wer ohne? Wand und Rosbaud verweigern ihn. Allen Puristen zum Trotz: Auch hier lobe ich mir Karajans ekstatische Katharsis - mit dem von Bruckner nachträglich auf Freundesbitte eingefügten (und von ihm selbst oder doch von fremder Hand?) wieder gestrichenen Beckenschlag samt Triangel.

Christoph Braun




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