"Klingt wie Filmmusik" wird manch einer vielleicht beim Hören von Vaughan Williams’ Siebter Sinfonie denken. Und dieser Gedanke träfe voll ins Schwarze: Vaughan Williams, der sich seit Beginn der vierziger Jahre mit der Komposition von Filmpartituren beschäftigte, erhielt 1947 den Auftrag, die Musik zu "Scott of the Antarctic" zu schreiben, einer Verfilmung der gescheiterten Südpolexpedition von Robert Falcon Scott. Fasziniert vom ungewöhnlichen Thema, beschloß Vaughan Williams, Teile aus der Partitur zu einer neuen Sinfonie zusammenzustellen. Unter der Leitung John Barbirollis wurde das Resultat, die "Sinfonia antarctica", uraufgeführt.
Zusätzlich zum herkömmlichen Orchester verwendet Vaughan Williams Orgel, Klavier, Vibrafon und Windmaschine, in den Ecksätzen tritt ein textlos vokalisierender Frauenchor hinzu. Details wie die Windmaschine und der Chor mögen dem kontinentalen Ohr als äußerlich erscheinen und allzu sehr an den filmmusikalischen Ursprung des Stücks erinnern, doch Vaughan Williams wollte in seinem Werk keine anekdotische Ereignisschilderung liefern, sondern einen Eindruck von der menschenleeren antarktischen Landschaft vermitteln und der Wirkung, die dieser Anblick auf den menschlichen Geist ausübt. Im langsamen dritten Satz mit seinem machtvollen Orgelsolo findet dieser Gedanke seine unmittelbar überzeugende Umsetzung.
Bernhard Haitinks Einspielung lässt weder musikalisch noch klanglich Wünsche offen. Es gelingt ihm, das Programmatische in den Hintergrund treten zu lassen und den durchaus vorhandenen sinfonischen Zusammenhalt der Musik überzeugend darzustellen. Wer weniger Geld ausgeben möchte, findet in der Naxos-Aufnahme unter Kees Bakels eine brauchbare Alternative und bekommt als Zugabe noch die klassizistisch heitere Achte Sinfonie präsentiert, ebenfalls in einer ansprechenden Interpretation.

Thomas Schulz




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