Bedřich Smetana

Die verkaufte Braut (Prodaná nevesta)

Drahomíra Tikalova, Ivo Zídek, Eduard Haken, Oldrich Kovár u.a., Chor der Oper Zürich, Orchester der Oper Zürich, Zdenek Chalabala

Supraphon/Codaex 00040-2
(1959) 2 CDs, Komponiert: 1864-1870 - Uraufführung: 30. Mai 1866 (1. Fassung), 29. Januar 1869 (2. Fassung), 1. Juni 1869 (3. Fassung), 25. September 1870 (4. Fassung) - jeweils in Prag; AAD



Bedřich Smetana

Die verkaufte Braut (Prodaná nevesta)

Pilar Lorengar, Fritz Wunderlich, Gottlob Frick, Karl-Ernst Mercker u.a., RIAS Kammerchor, Bamberger Symphoniker, Rudolf Kempe

EMI 7 64002 2
(1962) 2 CDs, Komponiert: 1864-1870 - Uraufführung: 30. Mai 1866 (1. Fassung), 29. Januar 1869 (2. Fassung), 1. Juni 1869 (3. Fassung), 25. September 1870 (4. Fassung) - jeweils in Prag; ADD



Bedřich Smetana

Die verkaufte Braut (Prodaná nevesta)

Ludmila Cervinková, Beno Blachut, Karel Kalas, Rudolf Vonásek u.a., Chor und Sinfonieorchester des Prager Rundfunks, Karel Ancerl

Multisonic/Disco-Center 31 0185
(1947) 2 CDs, Komponiert: 1864-1870 - Uraufführung: 30. Mai 1866 (1. Fassung), 29. Januar 1869 (2. Fassung), 1. Juni 1869 (3. Fassung), 25. September 1870 (4. Fassung) - jeweils in Prag; AAD, mono



Von den acht Opern Smetanas hat nur "Die verkaufte Braut" Eingang ins internationale Repertoire gefunden. Vielleicht, weil sie all das in Hülle und Fülle enthält, was nach gängiger Vorstellung zu einer "richtigen" tschechischen Oper einfach dazu gehört: Polka und Furiant, ein zwischen Hügeln eingebettetes Dorf, in dem unter sonnigem Himmel Menschen in bunten Trachten ihren Beschäftigungen nachgehen. Doch mittlerweile stellen immer mehr Regisseure diesen Postkarten-Folklorismus in Frage. Sie rücken eine Dorfgemeinschaft ins Visier, in der es auch hart und brutal zugehen kann. Immerhin finden Väter nichts dabei, ihre Kinder untereinander zu verheiraten, ohne lang danach zu fragen, ob deren Herz überhaupt mit im Spiel ist.
Opfer solch einer Absprache droht auch Marie zu werden. Sie soll Wenzel, den Sohn des wohlhabenden Bauern Mícha, zum Mann nehmen, obwohl sie Hans liebt, von dem niemand so genau weiß, wer er ist und woher er kommt. Der Heiratsvermittler Kecal wird eingeschaltet, die Angelegenheit im Sinne Míchas unter Dach und Fach zu bringen. Kecal schlägt Hans vor, für eine bestimmte Summe auf Marie zu verzichten. Dieser willigt ein, allerdings nur unter der Bedingung, dass niemand anderer als Míchas Sohn Marie bekommen soll. Damit hat er Kecal aufs Kreuz gelegt, denn es stellt sich heraus, dass Hans selber Míchas Sohn aus erster Ehe ist, der in der Fremde sein Glück gesucht hatte und unerkannt heimgekehrt war. Da es nun bei Marie liegt, sich zu entscheiden, steht einem Happy-End nichts mehr im Weg.
Man hatte dem Wagnerianer Smetana vorgehalten, eine tschechische Oper könne ihm gar nicht gelingen. Mit der "Verkauften Braut" trat er den Gegenbeweis an. Und bis heute nimmt sie im Repertoire des Prager Nationaltheaters einen Ehrenplatz ein. Mit dessen Ensemble, das damals über erstklassige Sänger wie Ivo Zídek oder Eduard Haken verfügte, entstand 1959 jene Aufnahme, die ich immer noch für die einzig maßstabsetzende halte: Zdenek Chalabala, damals Chefdirigent des Prager Nationaltheaters, läßt Chor und Orchester mit unglaublich elektrisierender Verve musizieren, gibt aber auch den lyrischen Empfindungen großen Raum.
Nur Karel Ancerl tat es ihm darin gleich. Seine Aufnahme ist allerdings noch um ein paar Jahre älter, weshalb die Tonqualität stellenweise zu wünschen übrig läßt. Zu ihr sollte nur greifen, wer etwas für historische Dokumente übrig hat. Wem "Die verkaufte Braut" auf Deutsch gesungen lieber ist, der wird mit der Gesamtaufnahme unter Rudolf Kempe bestens bedient. Schon allein wegen Fritz Wunderlich, der mit jugendlich strahlendem Elan den Hans singt, ist diese Aufnahme eine Empfehlung wert.

Peter Blaha




Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top