Jean Sibelius

Finlandia op. 26

NBC Symphony Orchestra, Arturo Toscanini

RCA/BMG 74321 59484 2
(8/1952) 2 CDs, Komponiert: 1899, Uraufführung: 1899 in Helsinki; ADD



Jean Sibelius

Finlandia op. 26

Hallé Orchestra, John Barbirolli

EMI 7 69205 2
(1996) - nur als Import, ADD - Komponiert: 1899, Uraufführung: 1899 in Helsinki



"Kampflied und Siegeshymne" nannte Jean Sibelius seine Tondichtung "Finlandia", das Werk, das seinen Namen über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus bekannt machte und bis heute seine wohl populärste Komposition ist. Anlass zur Entstehung von "Finlandia" bildete eines jener "Feste für den Pensionsfonds der Journalisten", wie sie zu Ende des 19. Jahrhunderts in Finnland stattfanden. Es handelte sich um Veranstaltungen, die, ungeachtet ihres eher harmlosen Mottos, im Zuge der finnischen Unabhängigkeitsbestrebungen gegenüber Russland durchgeführt worden. Die Bürgerrechte der Finnen, nicht zuletzt die Pressefreiheit, wurden zu dieser Zeit von der russischen Obrigkeit stark eingeschränkt.
Auf einer jener Feiern wurden im schwedischen Theater zu Helsinki sechs "lebende Bilder aus der finnischen Vergangenheit und Mythologie" aufgeführt, zu denen Sibelius die Musik beigesteuert hatte. Das Schlussstück, damals noch unter dem Titel "Finnland erwacht", bildete den krönenden und umjubelten Abschluss, und der Komponist bearbeitete es daraufhin als separates Werk. "Finlandia" etablierte sich sofort als Dokument des finnischen Nationalbewusstseins, gar als inoffizielle Nationalhymne, und einige Jahre lang verboten die russischen Behörden Aufführungen des Werks in Finnland.
Die dynamische Schwung und der sinnfällige Aufbau der Tondichtung sorgten für ihre rasche Verbreitung und Popularität auch außerhalb Finnlands. Anders als in den späteren Sinfonien befindet sich Sibelius in diesem Werk noch voll und ganz auf dem Boden der Nationalromantik, wenngleich sich direkte Einflüsse nicht aufzeigen lassen.
Einspielungen der "Finlandia" gibt es viele, doch nur wenige, die musikantischen Überschwang und formale Stringenz so unmittelbar überzeugend zu verknüpfen wissen wie die von Arturo Toscanini. Er bürdet sich keine emotionale Zurückhaltung auf, bekennt sich unmittelbar zur Dramatik, auch zur Feierlichkeit der "Finlandia" und vermeidet gerade durch diese rückhaltlose emotionale Identifikation mit dem Werk jegliches Abgleiten in hohles Pathos. Der Mono-Klang der Aufnahme von 1952 vermag den Genuss nicht zu trüben.
Nicht weniger mitreißend, doch etwas weicher und runder zeigt sich die Einspielung von John Barbirolli, dem begnadeten Sibelius-Interpreten, dem die Musik dieses Komponisten stets eine Herzensangelegenheit war.

Thomas Schulz




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