Franz Schubert

Die schöne Müllerin D 795

Fritz Wunderlich, Hubert Giesen

DG 447 452-2
(1966) Komponiert: 1823, Uraufführung: Datum unbekannt



Franz Schubert

Die schöne Müllerin D 795

Christoph Prégardien, Andreas Staier

DHM/BMG 05472 77273 2
(1991)



Franz Schubert

Die schöne Müllerin D 795

Bo Skovhus, Helmut Deutsch

Sony 63075



"Ei willkommen, süßer Mühlengesang!" Mit Wilhelm Müllers eigener Zeile lässt sich Fritz Wunderlichs "Schöne Müllerin" trefflich anpreisen. Das helle, klare und kernige - fast möchte man sagen: kerngesunde - Timbre, in dem der begnadete Pfälzer vier Wochen vor seinem plötzlichen Unfalltod Schuberts bekanntesten Liedzyklus anging, hat auch drei Jahrzehnte später seinen einzigartigen Reiz nicht verloren. Vermutlich fühlte sich der deutsche Vorzeigetenor der sechziger Jahre diesem Zyklus besonders verbunden. Denn Wunderlich, der ehemalige Freiburger Waldhorn-Student, Wein- und Jagdliebhaber, traf hier auf (ironisch grundierte) "hinterlassene Papiere eines reisenden Waldhornisten".
Jedenfalls kann man von einem kongenialen Zusammentreffen zwischen dem poetischen Wanders- und Müllersgesellen und dem fünfunddreißigjährigen Wunderlich sprechen: Auf einzigartige Art verknüpft dieser das herbe Naturell des romantischen Naturburschen mit der durchwühlten Seelenlandschaft des heißblütig, stolz, sodann eifersüchtig und schließlich resignierend Liebenden, dem nur der Freitod bleibt.
Solche "wunderliche" Synthese - hier der füllige, höhensicher-heldische Brustton, dort der berückende Schmelz und Legato-Sinn - gelingt Christoph Prégardien zwar nicht im selben Ausmaß, gleichwohl berührt dessen "Müllerin". Denn wie kaum eine andere bringt sie dem Hörer den Tonfall des "Abgesangs" nahe: so innerlich zerbrochen, so jugendlich-zart und schon abschieds-entrückt lässt sich der todunglücklich Liebende sonst kaum vernehmen. (Schubert selbst wollte denn auch nichts wissen von Müllers romantischer Ironie.) Hier kommt auch das nuancenreiche Hammerklavier-Spiel Andreas Staiers mit feinsten Pianissimo-Registerfarben zum Tragen.
Noch mehr als diese authentische Klavierbegleitung Staiers verhilft Helmut Deutschs Akribie seiner Einspielung mit Bo Skovhus zu Lorbeeren. Auch wenn der voluminöse Bariton des jungen Dänen nicht ganz die Feinheit und Flexibilität der beiden tenoralen Schubert-Lesungen aufweist, so besticht die Aufnahme doch durch Ernsthaftigkeit und geradezu bühnendramatische Präsenz.

Christoph Braun




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