Franz Schubert

Klavierquintett A-Dur ("Forellenquintett")

Alfred Brendel, Thomas Zehetmair, Tabea Zimmermann, Richard Duven, Peter Riegelbauer

Philips 446 001-2
(1994) Komponiert: 1819, Uraufführung: Datum unbekannt



Franz Schubert

Klavierquintett A-Dur ("Forellenquintett")

Trio Fontenay, Nobuko Imai, Chi-chi Nwanoku

Teldec/Warner Classics 0630-13153-2
(1996, 1997) Komponiert: 1819, Uraufführung: Datum unbekannt



Die Musik sei nicht lustig, meinte Franz Schubert. Aber von heiterem, unbeschwertem Naturell: Das konnte sie sein, auch dank Schubert. Sein "Forellenquintett" lässt einen Sommer im oberösterreichischen Steyr nachklingen, eine Landschaft, die der Komponist als "über allen Begriff schön" empfand. Er logierte im Haus des reichen Amateur-Cellisten Silvester Paumgartner, und da lag es nahe, dem Gastgeber ein Werk für seine Hausmusik zu widmen. Paumgartner selbst soll als Modell Johann Nepomuk Hummels "Grande Quintuor" Es-Dur vorgeschlagen haben, eine zuvor nie gebrauchte Besetzung: Klavier, Geige, Bratsche, Cello - und Kontrabass. Schubert willigte ein, wohl auch deshalb, weil auf dem soliden Fundament der Bassgeige der cellospielende Gönner alle Hände frei hatte für die Kantilene.
Zwei sehr verschiedene Aufnahmen ragen heraus: die hochdifferenzierte, geradezu klassisch-serene mit erstklassigen Solisten rund um Alfred Brendel - und die mitreißend gepfefferte der "jungen Wilden" vom Trio Fontenay sowie Nobuko Imai an der Bratsche und Chi-chi Nwanoku am Kontrabass.
Brendels Band lotet alle Finessen der Komposition aus, ohne darüber tüttelig zu werden - Nuancen, Linien, Kontext, Übergänge werden erforscht wie nirgendwo sonst. Das ist der Rückblick reifer Weisheit auf den sommerhellen Zauber der Jugend, diesen dabei durchaus verklärend. Mittendrin in den Wettern der, sagen wir: Post-Pubertät dagegen schwimmt das Forellchen der andern Fünf im geradezu reißenden Gebirgsbach: Das Fontenay-Team pointiert so stark (doch ohne Übertreibung), dass mitunter schon ein furor Schubertiensis aufblitzt, die Leidenschaft unter vermeintlicher Biedermeier-Fassade.

Thomas Rübenacker




Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top