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Camille Saint-Saëns

Sinfonie Nr. 3 c-Moll ("Orgelsinfonie")

Wayne Marshall, Osloer Philharmoniker, Mariss Jansons

EMI 5 55184 2
(1994) Komponiert: 1885/86, Uraufführung: 1886 in London; DDD

Die "Orgelsinfonie" von Camille Saint-Saëns ist auch eine "Klaviersinfonie": Neben der Königin der Instrumente bereichert auch ein vierhändig gespielter Flügel die Farbpalette des Orchesters, das zudem über eine besonders große Bläserbesetzung verfügt und so schon mit dem vorgeschriebenen Instrumentarium auf die Sonderstellung dieser Komposition hindeutet. Mit diesem Stück habe er alles gegeben, was er geben konnte, schrieb Saint-Saëns über seine Sinfonie und fügte hinzu: "So etwas wie dieses Werk werde ich nie wieder schreiben".
Die schwierige Aufgabe für die Interpreten besteht bei der Orgelsinfonie vor allem darin, bei aller Bombastik und Monumentalität den Faden der Dramaturgie nicht zu verlieren: Schon in der langsamen Einleitung schält sich dunkel das Thema heraus, das als leidenschaftlich auffahrendes Motiv im ersten Allegro erscheint, das ganze Werk durchzieht und sich dabei mit dem gregorianischen Choral "Dies irae" vermischt. Die Orgel mischt sich zunächst in kleinen Dosen in das Geschehen und erscheint zum ersten Mal fast wie nebenbei im langsamen Abschnitt als Begleitung einer melancholischen Streicherkantilene. Erst am Ende leitet sie den triumphalen Höhepunkt des Stückes ein, in dem Saint-Saëns seine Fähigkeiten als versierter Kontrapunktiker beweist.
Aufnahmen dieses Werks sind meist langweilig oder kitschig. Der lettische Dirigent Mariss Jansons weiß auf dem schmalen Grat die Balance zu halten, und wenn sich am monumentalen Ende das ganze Orchester selbst in eine riesige Orgel zu verwandeln scheint, dann nimmt man ihm diese sinfonische Erlösungssequenz nicht nur ab - sie erscheint als logische Auflösung einer langen dramaturgischen Entwicklung und zeigt sich gerade in dieser Aufnahme in der formalen Idee ein wenig mit Mahlers "Auferstehungssinfonie" verwandt.

Oliver Buslau, 01.12.1999



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