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Anthem

Christian Scott

Concorde/Universal 08880 7230209 9
(60 Min., 12/2006) 1 CD

Mit seinem Major-Debüt "Rewind That" sorgte der 22-jährige Trompeter Christian Scott im vergangenen Jahr für derart viel Aufsehen, dass er von Prince eine Studio-Einladung erhielt und in den Staaten zum größten Trompetentalent seit Roy Hargrove ausgerufen wurde. Ob der junge Kerl von der Technik und der Virtuosität her tatsächlich so gut ist, kann man nach dem Anhören von "Anthem" nicht mit Bestimmtheit sagen. Sicher ist aber, dass sich Scott keinesfalls in den ausgelatschten Bebop-Pfaden bewegt.
"Anthem" klingt so, als ob die CD in Europa aufgenommen worden wäre. Einflüsse vom Indie-Rock treffen auf weit gespannte Bläser-Melodiebögen. Auf dem Klavier wird gehämmert, was das Zeug hält, eine verzerrte Gitarre darf immer wieder mal die Hauptrolle spielen, und das Schlagzeug schließlich imitiert Plattenscratches. Das erinnert sehr oft an das schwedische Trio E.S.T., und wenn man Scotts schwerblütiges Spiel dazu vernimmt, denkt man unwillkürlich an den Norweger Nils Petter Molvaer.
Die junge Band des in New Orleans geborenen Trompeters (Saxofonist Walter Smith III ist mit 26 Jahren der Ältest!) entwickelt jedoch eine ganz eigene Intensität, eine typisch amerikanische, wie die Bonus-Nummer mit Rap-Einlage zeigt. "Warum sollte ich Jazzstandards spielen?" fragt Scott. "Das ist für mich so, als wenn man ein Rendezvous mit einer neuen Frau hätte und dabei versuchen würde, sich so zu benehmen wie ihr letzter Freund." Originell ist der Bursche schon.

Josef Engels



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