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Peter Iljitsch Tschaikowski, Robert Schumann

Sinfonie Nr. 5, Klavierkonzert a-Moll

Alfred Cortot, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, RIAS Symphonieorchester Berlin, Ferenc Fricsay

Audite/Edel 95.498
(80 Min., 1/1957 u. 5/1951) 1 CD

Was hat man sie nicht geprügelt: Selbstbemitleidung, Mondscheingeschmuse, Kosaken-Getöse. Die Schmäher von Tschaikowskis Fünfter Sinfonie haben vermutlich nicht Ferenc Fricsay 1957 in der Berliner Musikhochschule gehört. Denn was der – neben Furtwängler und Karajan – bedeutendste Nachkriegsdirigent Deutschlands hier präsentierte, ist in jeder Hinsicht das mitreißende Gegenteil von Kitsch und Klischee. Zum einen verkleben die düsteren, von Tschaikowski selbst als schicksalhaft-resignativ beschriebenen Passagen hier nicht (wie sonst so oft) zur bräsig-dumpfen Klangmasse; vielmehr offenbaren sie – trotz bescheidener Aufnahmequalität – eine klarsichtige, höchst differenzierte Orchestrierungskunst. Noch mehr als dieser sensibel ausgeleuchtete, intime fasziniert Fricsays "rabiater" Tschaikowski: So frenetisch in den Klangballungen, so rasend in der Verzweiflung wie in der triumphalen Apotheose hat allenfalls noch Toscanini die zerklüftete Gefühlswelt des russischen Romantikers inszeniert. Muss man diesen 1957er Tschaikowski zeitlos, ja höchst "modern" nennen, so gewährt die sechs Jahre zuvor entstandene Aufnahme des Schumann’schen Klavierkonzertes mit Alfred Cortot einen tiefen Blick in ein vergangenes Musikempfinden. Was dabei heute irritiert, sind nicht die zahlreichen "Fehlgriffe" des bereits 74-jährigen großen Franzosen, sondern die in jeder Hinsicht ausladende Art, Schumann zum maßlos donnernden respektive verträumten Spätromantiker zu machen. Ein Tondokument zweifellos, aber eines mit Patina. Die in jeder Hinsicht bedeutsame Audite Wiederveröffentlichung ist schließlich auch eine (von Fricsay selbst vorgetragene) Bitte und Mahnung (an Heutige): Just zum zehnjährigen Bestehen seines Ensembles, dem ehemaligen RIAS-Symphonie-Orchester und heute 60 Jahre alten Deutschen Symphonie-Orchester, stand dessen Existenz auf dem Spiel. Kaum vorstellbar, was der Nachwelt entgangen wäre, hätten damals nicht Kulturpolitiker und Sponsoren sein Fortleben garantiert.

Christoph Braun, 16.11.2007



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