Sergei Prokofjew

Sinfonie Nr. 1 D-Dur ("Symphonie classique")

Chamber Orchestra of Europe, Claudio Abbado

Deutsche Grammophon 427 678-2
(1986) Komponiert: 1916/17, Uraufführung: 1918 in Petrograd



Sergei Prokofjew

Sinfonie Nr. 1 D-Dur ("Symphonie classique")

Orpheus Kammerorchester

Deutsche Grammophon 423 624-2
(1987) Komponiert: 1916/17, Uraufführung: 1918 in Petrograd



Dieses Werk ist eine der amüsantesten Fälschungen der Musikgeschichte. Sergei Prokofjew hat die Musik Haydns bereits auf dem Konservatorium schätzen gelernt. 1916, lange bevor der Begriff "Neoklassizismus" in aller Munde war, fasste er den Entschluss, eine Sinfonie nach der Art Haydns zu komponieren. Das Ergebnis ist tatsächlich eine Sinfonie, die fast wie Haydn klingt – aber eben nur fast. Überall baut Prokofjew kleine Fußangeln ein, plötzliche harmonische Wendungen, falsche Schlüsse, irreguläre Rhythmen. Immer wenn der Hörer sich auf sicherem Terrain fühlt, wird er auf liebenswürdige Weise aufs Glatteis geführt.
Mit "moderner Musik" hat das Ganze nichts zu tun. Prokofjew gab dem Stück den Untertitel "Symphonie classique" - "in der Absicht", wie er sagte, "die Philister zu ärgern, und außerdem in der heimlichen Hoffnung, letzten Endes zu gewinnen, wenn sich die Sinfonie als wirklich ,klassisch’ erweisen sollte." Diese Hoffnung hat sich erfüllt: Die "Symphonie classique" ist eines der beliebtesten Werke des 20. Jahrhunderts.
Mir ist keine Aufnahme der Sinfonie bekannt, die so liebevoll jedes kleinste Detail der Partitur zum Klingen bringt wie die von Claudio Abbado. Die überschäumende Musizierfreude des Europäischen Kammerorchesters, gepaart mit höchster Perfektion, erzeugt unweigerlich gute Laune. Nicht umsonst sagte Leonard Bernstein, er habe laut lachen müssen, als er die "Symphonie classique" zum ersten Mal gehört habe. Wer allerdings auf den beigegebenen "Peter und der Wolf" mit Barbara Sukowa als Erzählerin lieber verzichten möchte, dem sei die ebenfalls sehr pointierte und stilsichere Einspielung mit dem Orpheus-Kammerorchester empfohlen.

Thomas Schulz




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