Antonín Dvořák

Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88

Tschechische Staatsphilharmonie Brünn, Václav Neumann

Supraphon/Codaex 01960-2
(1982) Komponiert: 1889, Uraufführung: 1890 in Prag


Antonín Dvořák

Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88

Berliner Philharmoniker, Rafael Kubelik

DG 447 412-2
(1966) Komponiert: 1889, Uraufführung: 1890 in Prag


Antonín Dvořák

Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88

Göteborger Sinfoniker, Myung-Whun Chung

BIS CD 500 452
(1989) Komponiert: 1889, Uraufführung: 1890 in Prag


Mit seiner vorletzten Sinfonie ist Dvorák sozusagen bei sich selbst angekommen. Folgen die vorausgehenden Exemplare wesentlich den bewunderten deutschen Vorbildern von Beethoven bis Brahms, so tritt hier die Arbeit mit herkömmlichen Formprinzipien zurück zugunsten eines freien, persönlichen Spiels der Themen und Motive. Fast möchte man sagen: Dvorák traut sich endlich, die Last der Tradition, die strenge kompositorische Logik des Sonatenhauptsatzes, aufzugeben und statt dessen gefühlsstarke Stimmungsbilder - persönlicher wie heimatlich-tschechischer Art - in den Vordergrund zu rücken.
Dass ihm gerade dieser Assoziationsreichtum den Vorwurf des dumpfen "böhmischen Musikanten" vor allem von fortschritts-bornierten deutschen Theoretikern einbrachte, ist längst als deren dumpfe Ignoranz entlarvt. Denn gerade in Dvoráks persönlicher Tonsprache sind ganz ungewohnte Zusammenhänge zu hören.
Meine drei Favoriten kümmern sich nicht nur um die "schönen" Einzelheiten, um den sprichwörtlichen, von Brahms so beneideten melodischen Erfindungsreichtum Dvoráks - bei Rafael Kubelík, noch mehr bei Václav Neumann spürt man das nationale, wenn man so will: das Herzblut-Kolorit, das beide mit ihrem Landsmann verbindet. Vor allem die heimatlichen Philharmoniker aus Prag unter Neumann lassen ein Feuer, einen rhythmischen "Drive" sondergleichen auflodern. Im seltsam wehmütig-graziösen Walzer-Thema des Allegretto grazioso betört dies ganz besonders.
An Myung-Whun Chungs Einspielung überzeugt die phänomenale Detailarbeit mit dem schwedischen Renommierorchester. Auch wenn es keine böhmischen Elefanten gibt - kaum ein anderer lässt die Hörner des Schlusssatzes so herrlich "blätzen" wie Chung.

Christoph Braun




Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top