George Gershwin

Porgy and Bess

Willard White, Leona Mitchell, Barbara Hendricks u.a., Cleveland Orchestra, Lorin Maazel

Decca 414 559-2
(1975) 3 CDs, Komponiert: 1935, Uraufführung: 1935 in Boston



George Gershwin

Porgy and Bess

Willard White, Cynthia Haymon, Carolyn Blackwell u.a., London Philharmonic Orchestra, London Philharmonic Choir, Simon Rattle

EMI 5 56220 2
(1988) 3 CDs, Komponiert: 1935, Uraufführung: 1935 in Boston



Egal, was Abraham Lincoln im 19. Jahrhundert über die Freiheit und Gleichheit aller Menschen sagte: Die Nachkommen der Negersklaven wurden auch in den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts noch als Menschen dritter Klasse behandelt. Wie immer spiegelte sich das auf der Bühne und im Film. Wenn schwarze Darsteller auftraten, spielten sie augenrollende Idioten oder eben Sklaven; war’s eine Hauptrolle, schminkte sich einfach ein Weißer “auf schwarz” (Al Jolson war berühmt für solche Blackface-Auftritte). Und was tat George Gershwin, der Darling des Broadway, der Meister glitzernder Revuen und eleganter Musicals? Er komponierte eine ernste American Folk Opera nur über Schwarze und mit Schwarzen, “Porgy and Bess” - sehr zur Verwirrung des Premierenpublikums und der Kritik.
Oper, das waren damals noch singende Statuen vor “edler” Pappkulisse, und wenn einer schon klinisch tot war, sang er noch mindestens eine halbe Stunde lang weiter. In “Porgy and Bess” ist nichts sonderlich edel: Catfish Row, ein Schwarzengetto in South Carolina, wird bewohnt von Menschen, nicht von Figuren; gestorben wird rasch und brutal, und die Musik klingt nicht nach Wagner oder Puccini, sondern nach amerikanischer Volksmusik und Spiritual. Die Rechte an dem Roman-Bestseller “Porgy” von DuBose Heyward erhielt Gershwin erst nach längerem Tauziehen mit seinem Broadway-Kollegen Jerome Kern (“Show Boat”), der tatsächlich ein Musical für jenen Al Jolson daraus machen wollte. Heyward konnte schließlich davon überzeugt werden, dass Gershwins “seriöser” Ansatz auch die dunkleren, ja tragischen Aspekte der Geschichte einlösen würde.
Die beiden empfehlenswerten Gesamtaufnahmen des “Porgy” halten sich in etwa die Waage: Die Version Lorin Maazels, eine reine Studio-Produktion, wirkt kühler, aber auch dramatischer, die Simon Rattles wärmer und lyrischer; zwar wurde sie ebenfalls im Studio aufgenommen, hatte sich zuvor aber schon als umjubelte Aufführung in Glyndebourne “eingespielt”. Auch die Solisten halten, alles in allem, ein vergleichbares Niveau, vor allem der Darsteller des Porgy: Er heißt in beiden Fällen Willard White. - Wer nicht gleich das ganze Werk sucht, dem bietet Erich Kunzel die Höhepunkte atmosphärestark mit den Cincinnati Pops, dem lokalen Universitätschor und vorzüglichen Sängern; als Dreingabe dazu noch Gershwins frühen Operneinakter “Blue Monday” in der Originalversion (Telarc/In-Akustik CD-80434).

Thomas Rübenacker




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