Responsive image

Something Sweet, Something Tender

Aki Takase

Enja/Soulfood 9188-2
(60 Min., 05/2007) 1 CD

Zu ihrem Instrument kam Aki Takase, weil sie ein ungezogenes Kind war. Die Mutter der Japanerin wusste sich nicht anders zu helfen, als das dreijährige Gör an den Klavierschemel zu binden. Und Aki fing gleich an, auf die Tasten einzudreschen. Was von den Eltern als Ausweis großen Talents interpretiert wurde.
Wie recht sie doch hatten! Ohne Aki Takase, die seit 1987 in Berlin lebt, wäre der Jazz heute um eine wichtige, originelle und großartige Persönlichkeit ärmer. Dafür muss man noch nicht einmal auf die insgesamt fünf Preise der deutschen Schallplattenkritik verweisen, die Takase für ihre Aufnahmen bekommen hat. Es reicht schon, sich dieses Solo-Album zu Gemüte zu führen. Da ist alles drin, was man an Takase kennt und schätzt: Der dynamische Feinschliff und die Fähigkeit, Elefantenherden über die Tastatur zu jagen, die klassische Ausbildung und die Verbeugung vor den Granden und Käuzen des Jazz.
Im ersten und letzten Teil von "Something Sweet, Something Tender" spielt Takase Stücke von Thelonious Monk, Carla Bley, Ornette Coleman und ihrem Ehemann Alexander von Schlippenbach. Sie findet jederzeit einen überraschenden Zugriff, mal mit präpariertem Instrument, mal mit knusprigen Clustern, mal mit vorsintflutlichen Stride-Anklängen. Der Mittelteil der Aufnahme besteht aus einer frei improvisierten Suite, in der die Pianistin den Rhythmus altjapanischer Dichtformen mit imaginären europäischen Volksliedern, Erik Satie und Cecil Taylor kollidieren lässt. Zart, ausgelassen und anarchisch humorvoll ist das – in Aki Takase steckt eben immer noch das ungezogene Mädchen.

Josef Engels



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top