Responsive image
Hans Werner Henze

Sinfonie Nr. 7

City of Birmingham Symphony Orchestra, Simon Rattle

EMI 7 547622
(1992) Live-Aufnahme, Komponiert: 1983/84, Uraufführung: 1984 in Berlin

In den fünfziger und sechziger Jahren galt er als Enfant terrible der deutschen Kulturszene, immer für einen Skandal gut, ganz gleich ob musikalischer oder politischer Natur. Im Alter ist Hans Werner Henze nun - neben Karlheinz Stockhausen - anerkannter Großmeister der deutschen Komponisten. Ein Avantgardist ist Henze nie gewesen, wollte es auch nie sein. Er stiftete vor allem deswegen Unruhe, weil er sich als einer der ganz wenigen Modernen in die Hochburgen des bürgerlichen Konzertpublikums wagte, statt im Getto der Neue-Musik-Festivals zu verweilen.
Die 1984 von den Berliner Philharmonikern uraufgeführte Siebte Sinfonie darf nicht nur als ein Meisterwerk Henzes, sondern als eine der wichtigsten sinfonischen Schöpfungen der letzten Jahrzehnte gelten. Henze beschäftigt sich in ihr ausdrücklich mit “deutschen Dingen”, unternimmt eine Bestandsaufnahme der Konflikte und Schwierigkeiten, die uns umgeben.
Der Bekenntnischarakter der Sinfonie teilt sich in jedem Takt unmittelbar mit. Henze selbst sah in seiner Komposition eine Zäsur in Richtung einer veränderten Tonsprache: “Mehr Landschaft - mehr Seelisches - mehr Offenheit”. Stärker als in anderen Werken Henzes tritt die deutsche Tradition in den Vordergrund, ergeben sich offene und verdeckte Bezüge zur Ausdruckswelt Alban Bergs oder Karl Amadeus Hartmanns. Die mediterrane, lyrisch gefärbte Farbigkeit früherer Kompositionen sucht man in der Sinfonie vergeblich. Es wird deutlich, dass Henze in dieses Werk alles hineinlegte, was ihm an technischer und emotioneller Meisterschaft zur Verfügung stand, und das mit einem spätromantisch-riesigen Orchester.
Die Erstaufnahme von Henzes Siebter Sinfonie unter Simon Rattle ist hervorragend geglückt; die aufbäumende Dramatik des Werks teilt sich ebenso unmittelbar mit wie der stets unterschwellig vorhandene Trauergestus. Rattles Musiker aus Birmingham rechtfertigen ihren Ruf, eines der am höchsten motivierten Orchester der Welt zu sein - außer ihnen hat diesen sinfonischen Meilenstein bislang noch niemand eingespielt.

Thomas Schulz, 01.12.1999



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wenn ein zeitgenössischer Komponist kommerziell erfolgreich ist, wird er oft misstrauisch beäugt. Wenn seine Musik auch noch für Laien interpretierbar ist, umso mehr. Eric Whitacre zum Beispiel: 1980 im amerikanische Nevada geboren, charismatisch, Chor-Guru. Er mobilisiert Massen mit seinen selbstkomponierten Liedern und wird in den USA als Komponist und Dirigent begeistert gefeiert, hat die dortigen Klassik-Charts schon früh erobert. Doch seine Chorsätze sind: einfach gut. Und greifen auf […] mehr »


Top