Joseph Haydn

Sinfonie Nr. 103 Es-Dur ("Mit dem Paukenwirbel")

Orchester des 18. Jahrhunderts, Frans Brüggen

Philips 422 240-2
(1987) Komponiert: 1795, Uraufführung: 2. März 1795 in London



Joseph Haydn

Sinfonie Nr. 103 Es-Dur ("Mit dem Paukenwirbel")

Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Nikolaus Harnoncourt

Teldec/Warner Classic 2292-43526-2
(1987) Komponiert: 1795, Uraufführung: 2. März 1795 in London



Joseph Haydn

Sinfonie Nr. 103 Es-Dur ("Mit dem Paukenwirbel")

Philharmonia Hungarica, Antal Doráti

Decca 452 256-2
(1971) 2 CDs, Komponiert: 1795, Uraufführung: 2. März 1795 in London



"Die Introduktion erregte die höchste Aufmerksamkeit", vermeldete ein Kritiker nach der Uraufführung von Joseph Haydns Es-Dur-Sinfonie. Gesteigerte Aufmerksamkeit beansprucht dieser sehr ungewöhnliche Sinfoniebeginn bis heute - überlässt er doch der Pauke das erste und letztlich auch wichtigste Wort. Weder Länge noch Dynamik des einleitenden Wirbels ist von Haydn vorgeschrieben, so dass sich unzählige Interpretationsmöglichkeiten ergeben. Die sich nur auf die Pauke beziehende Überschrift "Intrada" rechtfertigt sogar die Ausweitung des Wirbels auf ein mehrtaktiges Solo, wie Nikolaus Harnoncourt dies in seiner Einspielung praktiziert.
Doch nicht nur der Paukenwirbel erhebt die Introduktion in den Rang des Außergewöhnlichen, auch die Tatsache, dass ihre düstere Melodik (fast gleicht sie dem gregorianischen "Dies irae") im Verlauf des Kopfsatzes mehrfach wiederkehrt und sogar der Wirbel kurz vor Ende des Satzes noch einmal erscheint, trägt zur Einmaligkeit des Werkes bei. Die Introduktion als eigentliches Herzstück einer Sinfonie, das hatte es bislang noch nicht gegeben. Überhaupt weist Haydns Es-Dur-Sinfonie weit in die Zukunft: Die zwielichtige Harmonik und der unablässig schreitende Duktus der Doppelvariationen des zweiten Satzes lassen bereits an den reifen Schubert denken, und das Finale ist das beste Beispiel dafür, was sich aus einem einzigen Motiv alles machen lässt.
Die faszinierendste Aufnahme von Haydns vielleicht größter Sinfonie ist für mich die von Frans Brüggen. Hier wird weder überinterpretiert noch dem Klischeebild vom harmlosen Haydn Rechnung getragen. Geheimnisvoller, packender kann man vor allem den zweiten Satz nicht musizieren; das tiefe C der Kontrabässe hat nie bedrohlicher geklungen. Der homogene Orchesterklang ist wohl geeignet, auch Verächter historischen Instrumentariums zu bekehren.
Kontrovers, extrem, aber stets faszinierend ist Nikolaus Harnoncourts Einspielung mit dem Concertgebouw-Orchester, und nicht zuletzt sei auf Antal Doratis Pioniertat mit der Philharmonica Hungarica verwiesen - ausgewogener, "klassischer" als heute oftmals üblich, doch stets zuverlässig und überzeugend.

Thomas Schulz




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