Wolfgang Amadeus Mozart

Sinfonie Nr. 35 D-Dur KV 385 ("Haffner")

Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Nikolaus Harnoncourt

Teldec/Eastwest 9031-77595-2
(1980) Komponiert: 1782, Uraufführung: 1783 in Wien

Wolfgang Amadeus Mozart

Sinfonie Nr. 35 D-Dur KV 385 ("Haffner")

New York Philharmonic, Bruno Walter

Sony 64 473
(1953)

Wolfgang Amadeus Mozart

Sinfonie Nr. 35 D-Dur KV 385 ("Haffner")

Prager Kammerorchester, Charles Mackerras

Telarc/In-Akustik 80 203
(1990) Komponiert: 1782, Uraufführung: 1783 in Wien

Wenn man in Salzburg aus Mozarts Geburtshaus tritt, rechts die Getreidegasse bis zur nächsten Ecke geht und dort abermals rechts abbiegt, steht man in der Sigmund-Haffner-Gasse. Sie erinnert an einen wohlhabenden Salzburger Kaufmann und Bürgermeister, dessen Sohn, ebenfalls Sigmund genannt, den Namen Haffner über einen Seiteneingang in die Musikgeschichte “einschmuggelte” und auf diese Weise unsterblich machte. Denn dieser Sigmund Haffner Junior war es, der bei Mozart 1776 die “Haffner”-Serenade in Auftrag gab und für den Mozart sechs Jahre später, anlässlich der Erhebung seines Gönners in den Adelsstand, die “Haffner”-Sinfonie komponierte.
Diese Sinfonie war ursprünglich eine Serenade, mit einem Marsch zu Beginn und zwei Menuetten. Erst einige Monate später ließ Mozart den Marsch und eines der Menuette weg und setzte das Stück nunmehr als viersätzige “Sinfonie” aufs Programm einer seiner Wiener Akademien. Doch merkt man dieser Sinfonie ihre ursprüngliche Bestimmung noch an. Vor allem die beiden Mittelsätze sind eher serenadenhaften Zuschnitts. Und das champagnerhaft prickelnde Finale gibt sich, trotz aller kunstvollen Kniffe, festlich und ausgelassen.
Als Nikolaus Harnoncourt zu Beginn der achtziger Jahre seine erste Mozart-Platte mit dem Amsterdamer Concertgebouw-Orchester vorlegte, befand sich darauf auch die “Haffner”-Sinfonie. Ich erinnere mich gut, welches Aufsehen diese Aufnahme damals erregte. Sie kam einer Revolution gleich, die das morsch gewordene Gehäuse einer verzopften Mozart-Tradition krachend zum Einsturz brachte. Als ich mir Harnoncourts Aufnahme für diesen Beitrag nach längerer Zeit wieder anhörte, war ich erstaunt, wie frisch sie immer noch klingt. Da herrscht Hochspannung vom ersten bis zum letzten Takt. Und die Mittelstimmen, sonst zumeist im Hintergrund agierend, rücken bei Harnoncourt zu gleichberechtigten Partnern im lebhaften musikalischen Dialog auf.
Doch Harnoncourts Revolte fegte nicht alles Althergebrachte über Bord. Sie galt vor allem den müden Abziehbildern einer Tradition, die dort, wo diese noch unmittelbar gelebt wurde, zu Ergebnissen kam, die auch heute noch bestehen können. Bruno Walters Mozart-Interpretationen etwa sind, trotz ihrer romantischen Grundhaltung, zeitlose Klassiker. Seine kraftvolle New Yorker Mono-Aufnahme der “Haffner”-Sinfonie ist für mich eine der schönsten Einspielungen dieses Werks. Einen Mittelweg zwischen dem Originalklangpionier Harnoncourt und Bruno Walter schlägt Charles Mackerras ein. Er zieht beim Prager Kammerorchester zwar keine Darmsaiten auf, lässt die Musiker aber im Geist alter Instrumente artikulieren und phrasieren.

Peter Blaha




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