Wolfgang Amadeus Mozart

Le nozze di Figaro

Thomas Hampson, Charlotte Margiono, Barbara Bonney, Anton Scharinger, Petra Lang u.a., Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Nikolaus Harnoncourt

Teldec 4509-90861-2
(1993) 3 CDs, Komponiert: 1785/86, Uraufführung: 1786 in Wien



Wolfgang Amadeus Mozart

Le nozze di Figaro

Rodney Gilfry, Hillevi Martinpelto, Alison Hagley, Bryn Terfel, Pamela Hellen Stephen u.a., English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner

DG/Archiv Produktion 439 871-2
(1993) 3 CDs, Komponiert: 1785/86, Uraufführung: 1786 in Wien



Wolfgang Amadeus Mozart

Le nozze di Figaro

Alfred Poell, Lisa della Casa, Hilde Güden, Cesare Siepi, Suzanne Danco u.a., Wiener Philharmoniker, Erich Kleiber

Decca 417 315-2
(1995) 3 CDs, Komponiert: 1785/86, Uraufführung: 1786 in Wien



Nikolaus Harnoncourt ist ein Zertrümmerer lieb gewordener Hörerwartungen. Auch bei Mozarts erstem großen Buffo-Geniestreich fühlt man sich ertappt: man erwartet eine rasante Ouvertüre als Einstimmung auf diesen "tollen Tag" der Intrigen, der gehörnten Eheleute und solche, die es werden wollen. Doch was kommt? Provozierend langsame fast Fünf-Minuten Musik!
Auch die folgenden drei Wechsel-Dich-Spiel-Stunden zwischen dem lüsternen Grafen, seiner leidenden und auf Rache sinnenden Gattin, ihrer nicht eben scheuen Zofe Susanna und deren Zukünftiger wie dem rechtschaffen tumben Diener Figaro sind bei Harnoncourt mehr als das bekannte wirbelnde Intrigenchaos. Wichtiger erscheint Harnoncourt das Innenleben der Akteure. Hinter den stereotypen Buffo-Figuren sucht er die "wahren" Gefühle auf, und die sind vielschichtig und von Enttäuschung, Eifersucht und Liebesschmerz gezeichnet. Jeder Takt ist aufregend. Harnoncourt entdeckt bislang nie gehörte Details. Gerade die langsamen Tempi sind ihm Mittel profilierter Charakterzeichnung. Seine Solisten folgen ihm mit frischen, agilen Stimmen.
Ganz anders John Eliot Gardiner. Hier ist wirklich ein "toller Tag" zu erleben. Der androgyne Cherubino, - Mozarts geniale Eros-Verkörperung - ist immer zur Stelle, um Liebeschaos zu beschwören und alle Ordnung zu stören. Er wird zu Gardiners heimlicher Hauptrolle, selbst wenn Bryn Terfels sonor und flexibel agierender Figaro der komödiantische Star bleibt.
Zwischen Tiefenanalyse und Bühnenspaß bewegt sich Erich Kleibers legendärer "Figaro" von 1955. Hier bestechen Spielfluss und kammermusikalisches Raffinesse. Unter den Solisten ragen die in ihrer aristokratischen Eleganz betörende Lisa della Casa und der burschikos auftrumpfende Cesare Siepi heraus.

Christoph Braun




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