Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzert Nr. 26 D-Dur KV 537 ("Krönungskonzert")

English Chamber Orchestra, Daniel Barenboim

EMI 5 72055 2
(1974) ADD


Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzert Nr. 26 D-Dur KV 537 ("Krönungskonzert")

Clifford Curzon, London Symphony Orchestra, István Kertész

Philips 456 757-2
(1967) 2 CDs, ADD


Der Name "Krönungskonzert" läßt den tristen Hintergrund der Entstehung kaum erahnen: Mozarts "Markt" für Konzerte in Wien war völlig zusammengebrochen, und weil er das im Februar 1788 vollendete Werk dort nicht mehr aufführen konnte, produzierte er sich damit bei der Krönung Leopolds II. in Frankfurt.
Aber diese Reise sollte sich nicht auszahlen, denn der amusische neue Kaiser ließ Mozart keinen Auftrag mehr zukommen. So begann die Tragödie seines letzten Jahres. Das Werk war im 19. Jahrhundert eines der beliebtesten Konzerte Mozarts, doch die moderne Forschung hat dann kaum ein gutes Haar daran gelassen. Gewiß ist es flächiger, mehr auf Außenwirkung bedacht - da paßt der Name durchaus. Außerdem ist es unvollständig. Die linke Hand des Klavierparts ließ Mozart weitgehend unausgeschrieben, das tat er oft in Eile und improvisierte dann bei der Aufführung. Es hat vermutlich reicher geklungen als die Komplettierung seines Schülers André, die wir heute meistens hören.
Doch anstatt sich vom Genörgel anstecken zu lassen, sollte man an Charles Rosens weisen Kommentar denken, der das Stück "das größte frühromantische Konzert" nannte, und dann Daniel Barenboims frühe EMI-Version hören, die das erfrischend umsetzt. Vergleicht man diese Einspielung mit Barenboims erstarrtem Mozart der neunziger Jahre, staunt man, was für eine geniale Natürlichkeit er vor 1974 besaß. Er spielte dieses D-Dur-Konzert mit einer aufwallenden, virtuosen Frische, die den so lustvoll rankenden chromatischen Passagen einen visionären Chopin-Glanz gab. Und er kostete die theatralischen Effekte übermütig aus: Immer gläserner verspinnt sich das Klavier am Ende der schönen Landowska-Kadenz, die er spielt, und dann lässt er das Tutti plötzlich loskrachen, dass der Puder gestaubt haben würde bei der Uraufführung.
Die in der Philips-Pianisten-Edition erschiene Aufnahme Clifford Curzons bildet den absoluten Gegenpol zu Barenboim. Mag es effektvoller, flüchtiger sein, dies Werk ist aus Mozarts später Zeit, zwischen "Don Giovanni" und den späten Sinfonien komponiert. Curzon spielt dieses Konzert wunderbar beruhigt, mit einer herbstlichen Klarheit, die jeden Passagen-prunkenden Überschwang meidet. Curzons anmutiger, verspielter Tonfall ist wehmütige Inszenierung eines Altersweisen. So wird es Mozart vielleicht selbst gefühlt haben.

Matthias Kornemann




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