Wolfgang Amadeus Mozart

Sinfonie Nr. 36 C-Dur KV 425 ("Linzer")

Philharmonia Orchestra, Otto Klemperer

EMI 5 673332
(1960) Komponiert: 1783, Uraufführung: 1783 in Linz



Wolfgang Amadeus Mozart

Sinfonie Nr. 36 C-Dur KV 425 ("Linzer")

Prager Kammerorchester, Charles Mackerras

Telarc/In-Akustik 80 148
(1986) Komponiert: 1783, Uraufführung: 1783 in Linz



Wolfgang Amadeus Mozart

Sinfonie Nr. 36 C-Dur KV 425 ("Linzer")

SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Michael Gielen

Intercord/EMI 544 046 2
(1998) Komponiert: 1783, Uraufführung: 1783 in Linz



Erst dem Geniekult des 19. Jahrhunderts war verdächtig, was als Auftragsarbeit und unter Zeitdruck entstanden ist. Die Künstler früherer Epochen hingegen haben ihr Metier primär als Handwerk verstanden und nichts dabei gefunden, ihre Meisterschaft auch unter schwierigen Bedingungen unter Beweis zu stellen. Nicht immer aber wird der Zeitdruck derart groß gewesen sein wie im Falle Mozarts, als er auf der Rückreise von Salzburg nach Wien Gast des Grafen Johann Joseph Anton Thun in Linz gewesen ist und aufgefordert wurde, ein Konzert zu geben. "Weil ich keine einzige Simphonie bey mir habe, so schreibe ich über hals und kopf an einer Neuen, welche bis dahin fertig seyn muß", berichtet er in einem Brief an seinen Vater. Ganze vier Tage hatte er dazu Zeit. Trotzdem ist seine C-Dur-Sinfonie, die später den Beinamen "Linzer" erhalten sollte, ein Meisterwerk geworden.
Mozart hat sich im Entstehungsjahr dieser Sinfonie intensiv mit dem Schaffen Joseph Haydns befasst. Er begann die Arbeit an jenen sechs Streichquartetten, die er später Haydn widmen sollte, und auch die "Linzer" Sinfonie verrät den Einfluss seines älteren Kollegen: Es ist das erste Mal, dass Mozart eine Sinfonie mit einer langsamen Einleitung eröffnet, was bei Haydn fast schon die Regel war. Ungewöhnlich ist ferner, dass Mozart entgegen damaliger Gepflogenheit Pauken und Trompeten im Andante nicht pausieren lässt, sondern ihnen selbst dort noch die Aufgabe stellt, den festlichen Charakter der Sinfonie zu unterstreichen.
Die glanzvolle Aura von Mozarts "Linzer" Sinfonie kommt besonders schön in Otto Klemperers Aufnahme mit dem Philharmonia-Orchester zur Geltung. Klemperer lässt sehr streng musizieren und die Holzbläser markant hervortreten, was seiner Interpretation Seriosität und Größe verleiht.
Einen leichteren Klang strebt dagegen Charles Mackerras in seiner Einspielung mit dem Prager Kammerorchester an. Das Sympathische an Mackerras ist seine Gewissenhaftigkeit in Fragen des Stils, ohne dabei jemals demonstrativ den Zeigefinger zu erheben. Bei ihm wirkt nichts gewollt, sondern ergibt sich ganz natürlich aus dem Spiel.
Ein Außenseiter in Sachen Mozart ist gewiss Michael Gielen. Dennoch zähle ich seine Aufnahme der "Linzer" Sinfonie zu den gelungensten, nicht nur ihrer frischen Tempi wegen, sondern weil es Gielen darüber hinaus versteht, die Musik mit einem Schuss Humor zu versehen. Immer wieder bringt er überraschende Verzierungen an - eine Gepflogenheit, die im 18. Jahrhundert gang und gäbe war, später aber verloren gegangen ist.

Peter Blaha




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