Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll KV 491

Clara Haskil, Lamoureux-Orchester, Igor Markewitsch

Philips 412 254-2
(1960) Komponiert: 1786, Uraufführung: 1786 in Wien



Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll KV 491

Ivan Moravec, Academy of St Martin in the Fields, Neville Marriner

Hänssler/Naxos CD 98.955
(1995) Komponiert: 1786, Uraufführung: 1786 in Wien



Moll-Kompositionen in Mozarts Werk sind so selten, dass sie die Autoren, Musiker und Hörer unheimlich anziehen wie ein Unglück die Schaulustigen. Es ist, als dürfe man, verwirrt von der kühlen Artistik seines Stils, endlich einmal dem Hervorbrechen tragischen, persönlichen Erlebens beiwohnen. Doch können wir dieses Moll-Konzert wirklich als emotionales Zeugnis hören, als "Ausbruch", wenn wir bedenken, dass Mozart zeitgleich am überaus Dur-lastigen "Figaro" schrieb (das Moll von Barbarinas Nadel-Arie ist ganz Parodie)?
Die These vom dämonischen Moll-Gegengewicht überzeugt nicht. Als wäre das nicht problematisch genug, steht KV 491 ausgerechnet in c-Moll, jener Tonart, die Beethoven mit heftigem Pathos prägte. Doch Mozarts c-Moll-Werke erfüllen nicht, was wir seit Beethoven von c-Moll erwarten. Und da sind wir dann beim verhängnisvollen Motiv "Fast schon Beethoven" angelangt. Dennoch, dem Zwang, hier dämonische Gewalten zu hören, lässt sich kaum entgehen, obwohl sich Wolfgang Hildesheimer hier tapfer dem Chor entgegenstellt und dem Konzert durchaus eine Dur-Stimmung "enthört".
Die vielleicht berühmteste Aufnahme des Konzertes weicht der pathetischen Anmutung fast spröde aus. Kurz vor ihrem Tod hat Clara Haskil das Stück 1960 mit einer gelassenen Transparenz, einer weisen Unaufgeregtheit gespielt, die legendär geworden ist. Am bestechendsten ist das breite Tempo, mit dem Haskil und Markewitsch das Variations-Finale, oft als Geschwindmarsch überhetzt, in fast kammermusikalische Innerlichkeit zurückgeführt haben. Clara Haskil hat genau begriffen, dass man bei Mozart nicht bis auf den Grund dringt, wenn man nur auf die erregende Dramatik vertraut.
Ivan Moravec und Neville Marriner mit der Academy scheuen die wuchtige, theatralische Geste nicht, aber sie hören das Stück nicht als erschüttendes Ausnahme-Ereignis, sondern als klangerforschende Aufgabe. Man genießt den üppigen Bläsersatz - Flöten, Oboen, Fagott und Klarinetten - in keinem Konzert hat er das sonst aufgeboten. Und Moravec steht dem prächtigen Orchester mit herrlichem pianistischen Farbspektrum nicht nach.

Matthias Kornemann




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