Wolfgang Amadeus Mozart

Sinfonie Nr. 38 D-Dur KV 504 ("Prager")

Camerata Academica, Sándor Végh

Orfeo C 486 981 B
(1996) Komponiert: 1786, Uraufführung: 1787 in Prag



Wolfgang Amadeus Mozart

Sinfonie Nr. 38 D-Dur KV 504 ("Prager")

Prager Kammerorchester, Charles Mackerras

Telarc/In-Akustik 80148
(1986) Komponiert: 1786, Uraufführung: 1787 in Prag



Wolfgang Amadeus Mozart

Sinfonie Nr. 38 D-Dur KV 504 ("Prager")

Wiener Philharmoniker, Rafael Kubelik

EMI 7 67776 2
(1961) Komponiert: 1786, Uraufführung: 1787 in Prag



Es wurde viel darüber gerätselt, warum Mozart in seiner "Prager" Sinfonie das Menuett ausgespart hat. "Weil in den drei Sätzen alles gesagt ist, was zu sagen ist", meinte Mozarts Biograf Alfred Einstein. Doch so haben Komponisten vor Beethoven, der den ideellen Zusammenhang der einzelnen Sätze zum Gesetz erhob, in der Regel noch nicht gedacht. Der Grund dürfte eher ein rein pragmatischer gewesen sein. Mozart konnte mit keiner Aufführung in Wien rechnen, wo damals bereits die viersätzige Sinfonie die Regel war. In Prag jedoch, wo Mozart sein neues Werk erstmals vorstellte, erfreute sich nach wie vor der alte dreisätzige Sinfonien-Typus großer Beliebtheit.
Mozarts "Prager" Sinfonie wird oft mit seiner Oper "Don Giovanni" in Beziehung gesetzt, obwohl diese erst zehn Monate später in Prag das Licht der Welt erblickte. Doch scheint die weit ausladende, spannungsvolle Einleitung tatsächlich schon die düstere Atmosphäre der Komtur-Szenen der Oper vorwegzunehmen, was manche Dirigenten auch zur großen sinfonischen Geste verleitet.
Nicht so Sándor Vegh bei seinem letzten Festspielauftritt in Salzburg. Ihm glückte damals, im Sommer 1996, eine Aufführung, die ich in ihrer Natürlichkeit für unübertroffen halte. Niemals stellt sich mir beim Hören die Frage, warum Vegh hier dieses, dort jenes Tempo anschlägt. Alles hat, so wie es auf diesem Konzertmitschnitt erklingt, seine absolute Richtigkeit. Wie von selbst fügen sich die Themen zur großen Form, die in ihrer Grundhaltung zwar strahlend hell, aber nicht gänzlich frei von Schatten ist. Sándor Vegh war der letzte Repräsentant einer großen Tradition, die ihn mit untrüglichem Instinkt für das richtige Musizieren ausgestattet hatte.
Später Geborenen fehlt dieses Gespür, sie müssen es durch Wissen ersetzen. Ein Glücksfall aber, wenn zu fundierten Kenntnissen über Fragen des Stils auch das Talent eines Vollblutmusikers hinzukommt wie bei Charles Mackerras. Seine Aufnahme der "Prager" Sinfonie hat unglaublichen Drive und sichert der Musik scharf umrissene Konturen. Außerdem erinnert das Cembalo daran, dass zu Mozarts Zeit immer noch eine Continuo-Gruppe im Orchester mitspielte. Von den mir bekannten älteren Einspielungen hege ich große Sympathien für Rafael Kubeliks Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern. Kubelik rückt Mozarts Sinfonie in die Nähe eines metaphysischen Dramas. Doch so gewichtig er das Orchester auch musizieren lässt, dessen Spiel wirkt doch nie erdrückend.

Peter Blaha




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