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Johann Sebastian Bach

Weihnachtsoratorium

Combattimento Consort Amsterdam, Cappella Amsterdam, Jan Willem de Vriend

Challenge Classics/Sunny Moon CC 76608
(139 Min., 10/2007) 2 CDs

Seit zehn Jahren, erklärt Jan Willem de Vriend im Booklet seiner Aufnahme, führe er mit seinem Amsterdamer Combattimento Consort nun Bachs Weihnachtsoratorium auf, und jedes Mal würden er und seine Musiker das Werk wieder von Anfang an studieren. Die Mühe hat sich offenbar gelohnt: Die Einspielung, die de Vriend nun passend zum Fest vorlegt, zeigt, dass die Niederländer sich über die Jahre eine Bachsicht erarbeitet haben, die bei vollem Bewusstsein historischer Aufführungspraxis und souveräner Balance zwischen Chor, Orchester und Solisten dennoch die Natürlichkeit des Zugriffs bewahrt hat. Die Tempi de Vriends sind oft eine Kleinigkeit rascher als üblich, was einerseits gut zu dem transparenten Klangbild und den leichtgewichtigen Chorstimmen der Cappella Amsterdam passt, andererseits aber auch den festlichen Überschwang der Weihnachtsstimmung betont. Schon das berühmte "Jauchzet, frohlocket" wird beim Wort genommen und ist mit keck aufstampfenden Pauken und hellstimmig schmetternden Naturtrompeten fast eine Aufforderung zum Tanz. De Vriends Bach wirkt dabei nie unangemessen forciert, sondern folgt einfach dem musikantischen Impuls der Stücke – beispielsweise in der sanft groovenden Pastorale oder dem fetzigen Obligato in der Tenorarie "Ich will nur Dir zu Ehren leben". Auf der anderen Seite schleppen sich die Choräle nicht bedeutungsschwanger dahin, sondern fließen in einem sehr natürlich wirkenden Gesangstempo, das dennoch genug Empfindsamkeit zulässt. Ein Ansatz, in den sich auch die Solisten fügen: Schlanke, aber dennoch farbige Stimmen, die die Weihnachtsgeschichte mit Gefühl und Lebendigkeit, aber ohne rhetorische Mätzchen oder übertriebene Theatralik erzählen. Frohes Fest!

Jörg Königsdorf, 01.12.1999



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