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Claudio Monteverdi

Il quinto libro dei madrigali

La Venexiana

Glossa/Note 1 GCD 920925
(66 Min., 5/2006) 1 CD

Ab dem fünften Madrigalbuch Claudio Monteverdis, erschienen im Jahre 1605, ging es richtig zur Sache mit der "seconda pratica": Schluss mit einer Musik, in der sich der Textausdruck dem strengen Regelkatalog der Satzlehre zu unterwerfen hatte; es musste möglich sein, extreme Affekte, wie sie die Madrigaltexte zuhauf vorgaben, auch mit extremen kompositorischen Mitteln umzusetzen. Frei eintretende Dissonanzen, Querstände und virtuose Einsprengsel konterkarieren in den Madrigalen dieser Sammlung eine bis dato makellose Satzstruktur, die sich letztlich als würdiges Abbild der Harmonien im Bauplan des Universums versteht. Der theologisch-philosophische Hintergrund macht klar, dass in jenen ersten Jahren des 17. Jahrhunderts keine abgehobenen musikästhetischen Fragestellungen verhandelt wurden; es geht um nichts weniger als ein Welt- und Menschenbild, das sich in der Musikausübung als einer der prominentesten, von Gott geschenkten Begabungen des Menschen widerspiegelt. Hatte der Mensch auf diesem Terrain die Aufgabe, dem Schöpfergott nachzueifern und folglich nach Vollkommenheit zu streben, oder durfte er die sündenfällige Gebrochenheit, die sich als Riss quer durch die Schöpfung an allen Ecken und Enden bemerkbar machte, auch durch die Musik hindurchscheinen lassen, ja mehr noch: Durfte er sie mit krassen klanglichen Mitteln herausschreien?
Letztlich durfte er das dann, und der Musikgeschichte hat diese Lizenz zum Misstönen, aus heutiger Sicht betrachtet, ohne jeden Zweifel sehr gut getan. Das Ensemble "La Venexiana" hat sich in seiner Gesamtaufnahme der Monteverdi-Madrigalbücher nun dem berühmten fünften gewidmet, und die Sänger, hier teilweise verstärkt durch Instrumentalisten (auch dies gehört zu Monteverdis spektakulären Erweiterungen der Gattung), bleiben sich treu: Im Dienste der künstlerischen Verarbeitung des "Risses durch die Schöpfung" erlauben sie sich zwar verstärkt expressive, aber keine hässlichen Töne; was die gewollten Schärfen und Brüche angeht, verlassen sie sich ein gutes Stück weit auf das, was Monteverdi in Noten niedergelegt hat, und versuchen nicht, des Komponisten fixierte Wagnisse durch Schreien und Skandieren zu toppen. Manch einem mag das zu wenig sein; dem Autor dieser Zeilen ist ein solches Vorgehen, basiert es auf einem wirklich ausdrucksstarken, auf allen Ebenen differenzierten Vortrag wie im vorliegenden Fall, sehr sympathisch.

Michael Wersin, 22.02.2008



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