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Claude Goudimel, Eustache du Caurroy, Orlando di Lasso u.a.

Du fond de ma pensée

Chant 1450

Christophorus/Note 1 CHR 77297
(61 Min., 2/2007) 1 CD

Es ist Johannes Calvin bzw. dessen in Straßburg gewonnenen positiven Erfahrungen mit Gemeindegesang zu verdanken, dass die reformierte franko-schweizerische Kirche in ihrer Liturgie nicht durchgehend musikfrei geblieben ist (Calvins Mitstreiter Zwingli verbot den Kirchengesang vollkommen): Zumindest das einstimmige Singen von Psalmen hielt Calvin für eine sinnvolle Praxis, die die Gläubigen nicht zwangsläufig von der wahren Andacht ablenkt. Ein folgenreiches Statement: In der Folge entstand ein kompletter französischer Reimpsalter, der mit ihrer Anlage nach analog entworfenen, prägnant-einprägsamen Melodien versehen wurde. Freilich blieb es nicht bei der Einstimmigkeit: Zwar nicht für den Gottesdienst, aber wohl für den frömmigkeitspraktischen Hausgebrauch wurden die Melodien bald vierstimmig gesetzt (u. a. von Claude Goudimel), und auch die Texte wurden schnell zur Grundlage vielfältigster mehrstimmiger Kompositionen.
Auf einen Streifzug durch den entsprechend großen Werkbestand aus dem 16. Jahrhundert machten sich die Musiker des Ensemble "Chant 1450": Vom Lautenstück bis hin zum polyfonen Vokalsatz präsentieren sie engagiert ein breites Spektrum bisher wenig bekannter Musik aus den Federn von Claude Goudimel und Orlando di Lasso, Eustache de Caurroy, Claude le Jeune und Paschal de l’Estocart und manchen Anderen. Sie tun dies mit teils sehr guten vokalen wie instrumentalen Fähigkeiten, ohne allerdings immer ein befriedigendes Maß an Intonationsreinheit zu erlangen; speziell in dieser Hinsicht weist die vorliegende Produktion, so wertvoll sie in programmatischer Hinsicht ist, immer wieder deutliche Mängel auf. Das ist bedauerlich.

Michael Wersin, 22.02.2008



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