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Johann Sebastian Bach

Kantaten Vol. 37: BWV 35, 169, 170, 200

Robin Blaze, Bach Collegium Japan, Masaaki Suzuki

BIS/Klassikcenter SACD 1621
(77 Min., 8/2005, 9/2006) 1 CD

Die Altsolokantaten des Jahres 1726 vereint Masaaki Suzuki sinnvollerweise auf einer CD seiner Bachkantaten-Gesamtaufnahme – auch wenn er dabei in dieser Folge auf BWV 54 ("Widerstehe doch der Sünde"), die oft mit den Werken dieser Gattung kombiniert wird, verzichten muss: Dieses Werk entstand schon in Bachs Weimarer Jahren. Was allerdings die hier vertretenen drei Gottesdienstmusiken außer ihrer solistischen Vokalbesetzung in Altlage noch verbindet, ist ein ausgeprägter obligater Orgelpart: BWV 169 und BWV 35 beginnen sogar schon mit einem Concertosatz, bei dem jeweils die Orgel die Solorolle innehat; in BWV 170 tritt die Orgel in der zweiten und dritten Arie obligat hervor, also mit einer ganz eigenen ausgearbeiteten Stimme (statt der bloßen Continuostimme). Masaaki Suzuki nahm diese Besetzungsbesonderheit zum Anlass, zumindest für BWV 169 und 170 auf den Einsatz der heute üblichen Truhenorgel weitgehend zu verzichten und sich stattdessen an "echte" Orgeln zu setzen: Für BWV 170 reiste man nach Erfurt in die St.-Crucis-Kirche, für BWV 169 griff man auf die französisch-barock temperierte Orgel in der Kirche der "Shoin Women’s University" in Kobe zurück. Das Ergebnis ist klanglich ein sehr überzeugendes: Allein die 16’-Lage auf Bassebene (auch in den nur continuobegleiteten Sätzen!) bereichert das Hörerlebnis in den Arien und auch den Rezitativen ungemein, aber auch die obligate Diskantlage profitiert von der breiteren Registerauswahl deutlich.
Mit Robin Blaze wählte Suzuki einen der versiertesten und bacherfahrensten Counters unserer Tage, der seine Sache in jeder Hinsicht sehr gut macht, wenngleich es immer noch schwer ist (und noch eine Weile bleiben wird), "gegen" die Vollkommenheit von Andreas Scholls Solokantateneinspielung unter Herreweghe anzusingen. Hinzu kommt, das Suzuki seinem Solisten in BWV 170 ein sehr ruhiges Tempo aufbürdet (womit er einen extremen Gegenpart zu Reinhard Goebel bildet, der Magdalene Kožéna in seiner Aufnahme geradezu durch das Stück jagt). Unter diesen Bedingungen singt es sich nicht leicht mit voller Ausdrucksintensität bei gleichzeitiger Beachtung der großen melodischen Bögen, vor allem wenn man eher über eine zarte, nicht sehr breit geführte Stimme verfügt. Hier hätte Suzuki seinem prinzipiell wunderbaren Solisten entgegenkommen sollen.

Michael Wersin, 29.02.2008



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