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Day Trip

Pat Metheny

Nonesuch/Warner 7559799561

Bei Pat Methenys Veröffentlichungspolitik kann man schon etwas durcheinander geraten. Die Trioaufnahme "Day Trip" ist nämlich mitnichten der Nachfolger der erfolgreichen Kollaboration mit dem Pianisten Brad Mehldau, sondern der Vorläufer. Und streng genommen hatte Metheny auch nicht die Absicht, die Aufnahmen mit dem Bassisten Christian McBride und dem Schlagzeuger Antonio Sanchez der Öffentlichkeit zu präsentieren. Der Studiotermin im Oktober 2005 diente vielmehr als Übungseinheit, um das neue Trio des Gitarristen einzuspielen.
Natürlich ist es diese Musik wert, nachträglich auf CD gebrannt zu werden. Allerdings mit einigen Abstrichen. Zum einen stellt sich nicht unbedingt der Eindruck eines runden, durchdachten Albums ein, weil das Material etwas wahllos aus den verschiedensten Ecken kommt. Man hört von der Jazzpolizei abgesegneten Neo-Bop oder verträumte Americana-Akustik-Balladen fürs Lagerfeuer, dezente Jazzrock-Jams und auch mal einen humorvollen Reggae-Ausbruch im Geiste von The Police. Zum anderen hat man das Gefühl, dass sich die beiden Mittdreißiger McBride und Sanchez nicht so recht trauen, ihrem Bandleader Paroli zu bieten.
Metheny kann sich also nach Herzenslust austoben und seiner – gewiss – stupenden Fabulierkunst auf akustischer, elektrischer und mit Synthesizer verfremdeter Gitarre freien Raum geben. Fans werden es lieben. Dennoch entsteht der Eindruck, es hier weniger mit einem Day-, sondern vielmehr mit einem Ego-Trip zu tun zu haben.

Josef Engels, 07.03.2008



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