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Nicola Porpora, Antonio Vivaldi

Psalmen, Concerti

Isabelle Poulenard, Guillemette Laurens, Étienne Mangot u.a., Chœur Éclats, Les Passions, Jean-Marc Andrieu

Ligia/Klassik-Center Ligi 0202185-07
(68 Min., 6/2007) 1 CD

Das Musikleben war auch im 18. Jahrhundert, ganz ohne Privatjets, schon ein internationales. Dafür ist die Vita des neapolitanischen Komponisten und Gesangslehrers Nicola Porpora (1686-1768) ein prägnantes Beispiel: Porpora wurde in den 1730ern Georg Friedrich Händel in London zum Konkurrenten und stieg später auch Johann Adolph Hasse in Dresden auf die Füße, nachdem er in seiner Heimat schon den Kollegen Leonardo Leo und Leonardo Vinci das Leben schwer gemacht hatte. Sein Hauptgebiet im Wettkampf um europaweite Popularität waren dabei Opern, die er dutzendweise komponierte und oft auch mit eigenen Gesangsschülern (u. a. Farinelli zählte zu diesen) zu besetzen in der Lage war – vokale Spitzenvirtuosität war ihm sowohl hinsichtlich Machart wie auch Ausführung aus eigener Praxis bestens vertraut. Psalmmotetten wie die drei auf dieser CD versammelten, die im Opernalltag gewissermaßen als Nebenprodukte abfielen, rechnen mit ähnlich halsbrecherischem Können der Soli; Isabelle Poulenard und Guillemette Laurens erweisen sich als diesen Anforderungen durchaus gewachsen, Poulenard nicht ganz ohne kleinere Anstrengungen in der Vollhöhe, Laurens mit einem satten Maß an Gedecktheit, die ihr den häufig geforderten Zugang zur tiefen Lage sichert. Sehr kultiviert und klangschön, wenngleich nicht immer ganz sauber, sekundiert der "Choeur Éclats", ein reines Kinderensemble. Das Raffinement (und das überschwängliche Gotteslob) dieser Musik, man muss es betonen, liegt tatsächlich in der exponierten Virtuosität – auf dieser Ebene muss der Funken überspringen, großer Tiefgang darf ebenso wenig erwartet werden wie prägnante Originalität der musikalischen Substanz.
Ensembleleiter Jean-Marc Andrieu hatte die treffliche Idee, Porporas Psalmen mit Instrumentalconcerti von Vivaldi zu kombinieren. Als gewandter Blockflötensolist tritt er dabei auch selbst effektvoll in den Vordergrund, und für das Celloconcerto RV 410 gewann er Étienne Mangot als brillanten Solisten. Wie gesagt: Die Zusammenstellung des Programms darf als glücklich bezeichnet werden – Porpora allein hätte womöglich zur Strapaze werden können.

Michael Wersin, 07.03.2008



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