Jedes Frühjahr ein Solorezital des französischen Altisten (bzw. Sopranisten) Philippe Jaroussky – daran könnten wir uns gewöhnen! Schließlich bewegt sich der 1978 geborene Sänger seit seinem Erscheinen auf dem internationalen Alte-Musik-Parkett (um das Jahr 2000) auf gleichbleibend hohem bzw. eher noch steigendem Niveau. Die Basis dafür ist eine wunderschön timbrierte, helle, ungemein höhensichere Countertenorstimme, die mit atemberaubender Perfektion funktioniert und in beglückender Fülle all das hergibt, was Jaroussky ihr abverlangt: Virtuoses Passagenwerk, butterweiches Legato, geschmeidige Linienführung, organische Phrasierung und klare, prägnante Artikulation. All diese Fertigkeiten bringt Jaroussky diesmal in einem dem italienischen Kastraten Giovanni Maria Bernardino Carestini (ca. 1700-1760, nach seinem Gönner Kardinal Cusani auch Cusanino genannt) gewidmeten Programm zur Anwendung – von Porpora über Händel bis hin zu Gluck und Graun reicht die Spannweite des Repertoires, das Jaroussky tadellos umzusetzen versteht. Kongenial unterstützt wird er dabei von der Cembalistin Emmanuelle Haïm und ihrem Ensemble "Le concert d’Astrée": Schlechthin vollkommen ist das Zusammenwirken dieser Musiker, denn Haïms höchst erfolgreiches Bemühen um plastische, tiefenscharfe Wiedergabe des Satzgewebes liefert Jaroussky die optimale orchestrale Unterstützung für die Entfaltung seines Könnens. Alles in allem kann guten Gewissens und mit Nachdruck konstatiert werden, dass es sich bei der vorliegenden CD um eines der erfreulichsten Gesangsrecitals der letzten Zeit handelt.

Michael Wersin, 07.03.2008



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