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Terry Riley

The Cusp Of Magic

Kronos Quartet, Wu Man

Nonesuch/Warner 7559799598
(43 Min.) 1 CD

Der Amerikaner Terry Riley war wie seine Kollegen Steve Reich und Philip Glass ein Trendsetter. Als er vor vier Jahrzehnten das rhythmische Minimalismus-Geflecht zum Alpha und Omega des eigenen Schaffens erklärt hat. Zwar hatte dieses Schema oftmals seine Tücken, geriet der baukastenähnliche Umgang mit den Repetitionsketten zur Kreativbremse. Doch gerade Riley hat sich immer wieder der überraschungslosen Monotonie entzogen, indem er das Normative mit fernöstlichen Klängen neu befruchtete. So geschehen nun auch bei der Auftragskomposition "The Cusp of Magic", die das Kronos Quartet 2005 bei Riley bestellte, um so seinen 70. Geburtstag zu begehen. Herausgekommen ist ein Quintett, das ganz und gar Rileys undogmatischen Umgang mit westlichen Einflüssen und auch chinesischem Klangzauber widerspiegelt.
Die filigranen Künste von Wu Man, dieser Virtuosin an der chinesischen Laute "Pipa", vereinen sich da mit den groovenden Streicher-Pizzicati. Zwischendurch werden uralte, asiatische Schlaflieder mit Samples und Kinderspielzeugen in magische Klangfantasmagorien verwandelt. Oder in "Royal Wedding" säuselt das Kronos Quartet wieder so zuckersüß auf den Saiten, wie man es schon auf der Hommage an die indische Bollywood-Industrie "You´ve Stolen My Heart" gezeigt hat. An dem visionären Gehalt von „The Cusp of Magic“ kann man durchaus seine Zweifel haben, da man beim genauen Hinhören dann doch wieder Klischees und Zitate begegnet, die den dramaturgischen Sinn der sechs Sätze nicht unbedingt verstärken. (Der in "Prayer Circle" eingeflochtene Fandango ist kurios, aber nicht zwingend nötig gewesen.) Wie es hingegen bei nahezu allen Aufnahmen des Kronos Quartets bislang der Fall gewesen ist, sind die vier Musiker jetzt auch mit einem spielerischen Elan an das Werk herangegangen, dass man sich keine Sekunde langweilt.

Guido Fischer, 14.03.2008



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