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Ernst Pepping

Passionsbericht des Matthäus

Rundfunkchor Berlin, Stefan Parkmann

Coviello/Note 1 COV40801
(76 Min., 11/2007) 1 CD

Im Repertoire evangelischer Kirchenchöre findet sich neben der Musik von Heinrich Schütz und Melchior Franck oftmals noch das eine oder andere Werk von Ernst Pepping (1901-1981), der neben Hugo Distler hier zu den Repräsentanten klassischer geistlicher Chormusik des 20. Jahrhunderts gehört. Darüber hinaus jedoch ist es sehr still geworden um diesen Komponisten, der doch noch in den 50er Jahren recht lebhaft rezipiert wurde; die in nur spärlicher Anzahl vorliegenden CD-Produktionen mit seiner Musik untermauern diesen Befund. Nun hat sich der Berliner Rundfunkchor dem "Passionsbericht des Matthäus" von Pepping gewidmet und greift damit ein Werk auf, das die Bedeutung des Komponisten schon mit wenigen Takten eindrucksvoll zu verdeutlichen in der Lage ist: Ausgesprochen dicht und konzentriert vertont Pepping die biblischen Texte; er bedient sich einer streng wort- bzw. aussagegenerierten Tonsprache gemäßigt modernen Zuschnitts, die mit hoher Plastizität klarstellt, worum es Pepping geht: Schuld, Verrat, Versagen, Gewalt – und, zumindest als Ausblick oder Perspektive, auch Gnade. Entsprechend gliedert Pepping den Text, lässt auch einige traditionell vertraute Episoden fort, die von der intendierten Fokussierung ablenken könnten: Die Fehlleistungen der Menschen um Jesus stehen schon im Vorfeld der eigentlichen Folter und Kreuzigung klar im Zentrum – sicherlich kein Zufall bei einem 1949 uraufgeführten Werk, sicher kein Zufall auch vor dem Hintergrund der persönlichen Biografie Peppings, der zwar niemals NSDAP-Mitglied war und sich auch nicht direkt instrumentalisieren ließ, der aber gleichzeitig auch nicht eindeutig und öffentlich Stellung bezog gegen das Treiben der Nationalsozialisten, ein Mitläufer eher, der auch die eine oder andere Chance zum Vorankommen nutzte, wenn sich günstige Gelegenheiten boten. Möglicherweise hat er nach dem Krieg sein eigenes Verhalten kritisch und reuevoll analysiert; der tiefe Ernst, die bezwingende Eindringlichkeit seiner Musik zum Passionsbericht jedenfalls fesseln den Hörer ebenso sehr wie die großartig vielfältige und gekonnte satztechnische Faktur – ein bedeutendes Werk, fürwahr, auf dieser CD vorbildlich dargeboten vom Berliner Rundfunkchor unter Stefan Parkman: Einnehmende Klanglichkeit, blitzsaubere Intonation und perfekte Homogenität sind die Vorzüge dieser Darbietung, allenfalls in puncto Textverständlichkeit bleibt der eine oder andere Wunsch offen – aber dafür gibt es immerhin das vorbildlich gestaltete Beiheft, das neben dem Libretto einen höchst informativen, brillant geschriebenen Einführungstext von Boris Kehrmann bietet.

Michael Wersin, 14.03.2008



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